Die Sorbische Küche

Sucht man im Internet nach Sorbischer Küche, so sucht man meist vergebens. Ausser der Hochzeitssuppe ist nicht viel zu entdecken, und man könnte glatt meinen, die Sorbische Küche existiere nicht wirklich.

Doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gibt sie sehr wohl, nur leider wird sie in unseren modernen Zeiten leicht vergessen, weil sie so einfach ist und oftmals nicht der Auffassung von "moderner" Küche entspricht.

 

Jeder Lausitzer kennt Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Und das es im Spreewald viel Fisch gibt, ist auch kein Geheimnis. Andere Gerichte sind weniger bekannt. Zum Beispiel die Stippe oder die Fliederbeersuppe. So manches Gericht stirbt mit den letzten "echt sorbischen" Köchinnen und wird vergessen. Manchmal ist es dann sehr schwer, sich noch an den Geschmack zu erinnern. Wie war das damals, als die Wowka (oder in meinem Fall die Spitschka) noch lebten. Was aßen wir da? Ich kann mich an etwas erinnern, was so einfach ist, das es wohl kaum als Gericht zählt. Warme Milch mit Weißbrotbrocken. Ich weiß nicht mehr, ob die Milch gesüßt war- aber was ich weiß ist: ich bekam immer das Brot, die Uroma trank die Milch. Und dann dürfte ich Mehl und Griess und all das, was ich im Schrank fand in einen großen Topf schütten und rühren. Seitdem sind Jahre vergangen, aber wenn ich die Liebe zum Kochen und zum Improvisieren irgendwo gelernt habe, dann wohl in diesen jungen Jahren! Und da meine Uroma Sorbin war, ist all das, was ich aus dieser Zeit kenne, irgendwie auch Sorbisch.

 

Vielleicht ist es gerade das, was Regionalküche ausmacht. Nicht das Besondere, nicht das "Anders" sein. Es ist das, was zu Hause ist- was nicht "fremd schmeckt". Und so ist etwas vielleicht gar nicht sorbisch-aber weil es wie "Zu Hause" schmeckt, werden Sorben es als ihre Küche empfinden.


Der Patenzopf

An Ostern holen die Kinder der sorbischen Oberlausitz ihre Patengeschenke traditionell mit einem speziellen Korb ab, in den die Patentante dann gekochte, farbige Eier und den Patenzopf legt. Es handelt sich dabei um einen traditionellen, süßen Milchzopf, der früher sicherlich noch selbst gebacken wurde, heute aber auch bei den Bäckern der Region erhältlich ist.

 

Ostern bei den Sorben


Lausitzer Leinöl

Was wäre die Lausitz ohne ihr Leinen? Leinen und Flachs gehören zu uns, schließlich mußte früher den Mädchen eine Aussteuer mitgegeben werden. Sie bestand aus gewebten Tuchen aus Leinen, die in der großen Brauttruhe aufbewahrt wurden.

 

Wenn es etwas gibt, was für mich typisch sorbisch ist dann sind es die Stoffe- derbe Naturfasern ,die unkaputtbar die Zeiten überdauerten genauso wie Blaudruck-Motive und die Mädchentrachten in den leuchteten Farben rot, grün und weiß. Nur wenig verbindet die Gemeinschaft der Sorben mehr als das Spinnen, das Weben und der Stolz auf die geerbten Stücke, die schon die Uroma fertigte und die immernoch- und sogar wieder mehr durch Modetrends wie Chabby Shic und Co. - unsere Wohnungen schmücken und mit denen das Geschirr doch viel besser trocken wird als mit all den modernen Stoffen. 

 

Flachs oder Leinen ist eine Pflanze, die auch in unseren Sagen eine wichtige Rolle spielt.

Welches sorbische Kind lernt nicht die Mittagsfrau fürchten, die jeden holt, der zur heißesten Mittagszeit noch auf dem Feld arbeitet und nicht ruht?

Heute glauben wir zu wissen, das diese Mittagsfrau nur eine Halluzination ist, verursacht durch die heiße Luft über den Feldern und das die Geschichte nur eine Warnung ist, Mittags besser zu ruhen. Aber wer weiß...

 

Beim Flachsanbau entsteht auch reichlich Leinsamen, den man nicht nur für das bekannte Brot verwenden kann sondern der vor allem als Leinöl gepreßt besonders wertvoll und gesund ist. Ob einfach mit Brot genossen oder zum- mir liebsten- "Arme-Leute-Essen" Pellkartoffeln mit Quark - traditionell gehört in den Quark eine Höhlung, in die man etwas Leinöl gießt und die Kartoffeln dann stippt. In Zeiten von Kalorienersparnis und neuem Gesundheitsbewußtsein hat es dieses Gericht auch in die nobelsten Restaurants geschafft- und wie ich finde vollkommen zu Recht! 

 

Mehr zum Leinöl und interessante Rezepte finden Sie auf den Seiten der Lausitzer Ölmühle Hoyerswerda.

 

 


Sorbische Hochzeitssuppe


Rindfleisch mit Meerrettich

Die Küche der Sorben ist, wie bereits erwähnt, eine Küche der Bauern und einfachen Leute. Zum Bauernhof gehört es auch, zu Schlachten und Fleisch an manchen Tagen mehr zur Verfügung zu haben als an anderen. Traditionell zum Hochzeitsfest, aber auch zu winterlichen Festen gibt es bei den Sorben Fleisch im Überfluss. Dies wird traditionell gekocht (Schweinefleisch wird zu Wellfleisch, das Rindfleisch ähnelt sehr stark dem Tafelspitz anderer Regionen). Wer es mager liebt wählt das Rind, fettiger und gehaltvoller, aber eben auch saftiger, ist das Wellfleisch.

 

Nachdem ich in Hessen Tafelspitz mit Meerrettich serviert bekam und es doch sehr stark dem "sorbischen" Nationalessen ähnelte vermute ich, das es gar nicht so viele typisch sorbische Speisen gibt, aber das nur am Rande...

 

Bei der sorbischen Hochzeit oder dem großen Fest würde man dann 2 Versionen finden:

 

Einmal wird in einen tiefen Teller eine Scheibe (älteres!) Brot gelegt, eine Scheibe Fleisch darauf, Sauerkraut dazu und dann mit Brühe übergießen. Eventuell noch einen Klecks Bautzner´ drauf. Als Kind mochte ich das viel mehr als den scharfen Meerrettich!

 

Die 2. Version ist der Namensgeber: Rindfleisch, Meerrettichsauce (Ordentlich scharf! Es muß brennen in der Nase, hilft bei Schnupfen!) und Brot, Sauerkraut nach Wunsch. Die Meerettichsauce ist eine helle Sauce auf Mehlschwitz-Basis. 

 

Wenn man bedenkt, wie hart die Bauern früher arbeiteten erklärt sich auch, wie solche Gerichte dann verarbeitet wurden... 


Aus Teichen und Seen

Die Lausitz besteht gefühlt aus wenigen Komponenten: Kiefernwälder, Sand, Heide, Moore

- und jeder Menge Teiche und Seen. Darin fühlen sich vor allem Karpfen und Schleie, Zander und Hecht wohl.

 

Der Karpfen ist wie vielerorts ein sehr beliebter Festtagsfisch. Er wurde in meiner Kindheit auf eine Art zubereitet, die mir den Karpfen an sich leider auch nicht sympathischer machte- aber das ist reine Geschmackssache und meine Familie liebt den Karpfen bis heute in dieser Form. Der Karpfen wird dafür in 2 Hälften geteilt, sodaß man die Innenseite nach oben liegen hat. Dann wird darauf eine saure Sahne- Speck- Mixtur, mit Paprikapulver gewürzt gegossen und das Ganze im Ofen gebacken. Ein genaues Rezept werde ich bei Gelegenheit noch nachlegen, da mich auch die kalorienärmere Variante des Karpfen "Blau" nicht für diesen Fisch begeistern konnte ist mir das Rezept völlig entfallen. 

 

Hecht in Senfsauce ist ein weiteres Gericht, das man wohl mehr in der Spreewälder Region antrifft. Heutzutage wird von den Spitzenköchen sehr viel experimentiert, und so ist es mittlerweile schwer, historische sorbische Fischrezepte zu finden. Ich nehme an es war wie mit allem- es mußte schnell gehen und am besten von allein gar werden.

 

Ob der Zander auf Gemüsebett nun eine neue Erfindung ist oder schon immer bekannt war ist da schwer zu sagen, ausprobieren sollte man ein Fischgericht auf jeden Fall, wenn man vor allem in der Niederlausitz / dem Spreewald unterwegs ist.

 

Oder aber man geht im Sommer ins Dubringer Moor, gleich bei Wittichenau und folgt den Hinweisen zu Zelder´s Fischrestaurant. Da kann man dann gleich noch Kahn fahren auf den Teichen aus denen der eben verzehrte Fisch stammte.


Sorbische Plinse

Bitte sprechen sie nicht von Eierkuchen. Und erst recht nicht von Pfannkuchen (Wundern sie sich nicht, wenn man ihnen auf diese Bestellung hin "Berliner" serviert). Bei uns heißt das Plinse (oder auch Plinze gesprochen). Und traditionell werden sie mit Buttermilch gemacht- nur nicht so viele Eier, das macht sie zu fest.

Der letzte Versuch, sie wie früher zu machen endete etwas zu säuerlich- vielleicht war die Buttermilch früher anders- so wie viele Rezepte, die heute einfach nicht mehr recht gelingen wollen, weil die Zutaten "besser" (?) sind, früher immer klappten.

 

Nun- wir probieren noch ein wenig, fragen nochmal in der Krabatmühle und wer weiß? Vielleicht ist es doch die Magie des Ortes, die zum Gelingen beiträgt... Auf alle Fälle können Sie die Plinse dort geniessen und sicher sein, daß es die Echten sind. Sorbische Plinse sind nunmal keine Dresdner Originale und man bekommt sie NUR in der Lausitz!


Das Krabateis

Viel schwarze Magie war wohl im Spiel, als der Verein Krabatmühle e.V. ihrem Schwarzen Müller gleich noch die passende sommerliche Erfrischung versorgte. Die "Vanille & Marille Eismanufaktur Berlin" machte es möglich, und so gibt es seit einiger Zeit Schwarzes Eis an der Krabatmühle Schwarzkollm. Dank natürlicher Pflanzenkohle wird aus Schoko-Eis eben Schwarzes Eis. Zugegebenermaßen schmeckt man einen Unterschied-probieren sollte man es jedoch auf alle Fälle.

An der Schwarzen Mühle ging es allerdings noch nie mit rechten Dingen zu- sein Sie also gewarnt! Und vergessen Sie nicht, hier auch die echten Sorbischen Plinsen zu kosten.