· 

Literaturtipps zu den Sorben und der Oberlausitz


Zur regionalen Architektur, Baugeschichte und Volkskunst mit Fokus auf den ländlichen, auch sorbischen Raum


Manfred Hammer: Bauernhäuser Bauernhöfe Dörfer. Historisch und baulich wertvolle Gebäude und Dorfanlagen im Altkreis Kamenz. Band 8. Dresden 2009. Aus der Reihe: Bauernhäuser, Bauernhöfe, Dörfer in sächsischen Landkreisen

 

Dieses Buch ist nicht nur für Architektur-Interessierte geschrieben, sondern zeigt vor allem für den Hoyerswerdaer Raum eine fast vergessene Geschichte des Schrotholzhauses und den Wandel im 19.Jh. hin zu den großen Dreiseithöfen in Klinkerbauweise oder aber die moderne Überformung auf. Der Autor zeigt anhand alter Fotos und seiner Forschungsergebnisse, die in ihrer Gesamtheit so wohl noch nie zuvor erfasst wurden, welchen dramatischen Wandel und somit auch welches Vergessen das letzte Jahrhundert in der Region hinterlassen hat. Interessant im Hinblick auf das Krabatdorf Schwarzkollm ist die Vorstellung des Einzelobjektes "Alte Krabatmühle" ab Seite 98. Hier ist auch ein Interview mit Frau Helga Petschick aus der Mühlenfamilie abgedruckt, welches die Stilllegung der Mühle und die baulichen Veränderungen aufzeigt. 

 

Leider ist das Buch vergriffen und kann nur noch in Bibliotheken wie der SLUB ausgeliehen werden.


 Sächsischer Verein für Volksbauweise e.V. (Hrsg.): Umgebinde. Eine einzigartige Bauweise im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien. Die Blauen Bücher 2007.

 

Wer schon einmal im Oberlausitzer Bergland oder aber dem Dreiländer-Eck unterwegs war, der konnte die Bauweise des Umgebindehauses einfach nicht übersehen. Seit Jahren zeige ich meinen Gästen auf speziellen Touren durch die Oberlausitz den Denkmalort Obercunnersdorf. Was es architektonisch mit diesen regionalen, heute meist wieder märchenhaft restaurierten Gebäuden auf sich hat können Sie in diesem bildreichen Fachbuch entdecken. Vielleicht auch eine schöne Anregung für die nächste Urlaubsplanung, von Dresden aus ist ein Tagesausflug zur Brüdergemeine Herrnhut und die umliegenden Dörfer sehr zu empfehlen.


Rolf Langematz, Paul Nedo: Sorbische Volkskunst. VEB Domowina-Verlag Bautzen. 1968

 

Ein Buch aus den tiefsten DDR-Zeiten? Ist das nicht politisch motiviert und heute überholt? In den letzten Jahrzehnten begegneten mir oft solche Grundhaltungen. Was vor 1990 in Ostdeutschland geschrieben wurde kann nicht den modernen, weltoffenen Vorstellungen entsprechen. Und ja, es gibt genügend Beispiele, wo selbst das sorbische Osterei instrumentalisiert wurde.

Die Sorbische Kultur entwickelte sich allerdings immer unter den gegebenen politischen Verhältnissen und trotz dieser "Gleichschaltung" als eigenständige Kultur. Gerade diese Abgeschlossenheit als kleine, gehegte Randgruppe mit Folklore-Vorzeige-Charakter hat Vieles erhalten, was andern Ortes der Moderne zum Opfer fiel. So ist dieses Buch wie eine Zeitreise in eine Welt, die für heutige Verhältnisse weit weg erscheint- allerdings in vielen Details noch den Lebensalltag der Sorben um 1970, und teilweise sogar bis 1989 vermittelt. Wer sich für sorbische Trachten, die Bedeutung und Symbolik einzelner Elemente oder aber das tägliche Lebensumfeld dieser Minderheit interessiert, der sollte den Blick in dieses Relikt einer anderen politischen Zeit nicht scheuen. Überlesen Sie doch einfach die sozialistisch anmutende Wortwahl und tauchen Sie ein in die Lebenswelt, nach der Sie doch eigentlich suchen- denn Sorben waren nun einmal immer Bauern und Ackerbürger mit engen sozialen Bindungen und nicht die Feudalherren der kapitalistischen Großstadt...

 


Eberhard Deutschmann: Lausitzer Holzbaukunst unter besonderer Würdigung des sorbischen Anteils. VEB Domowina-Verlag Bautzen 1959

 

Dieses Buch ist das klassische Nachschlagewerk zur speziellen Sorbischen- (heute vor allem nur noch im Spreewald bekannten) und Umgebinde-Bauweise die heute vor allem im Oberlausitzer Bergland zu finden ist. Aber auch die Heidelandschaft um Hoyerswerda und ihre (ehemaligen) Bauten sind vertreten. Wer sich für das Leben der früheren Zeiten interessiert ist hier richtig- die Entwicklung der Feuerstätten, Aussehen der "Küche" sowie anderer Bereiche werden anhand vieler historischer Fotos und Zeichnungen erläutert. Falls Sie irgendwann einmal einen historisch korrekten Vierseithof in Blockbauweise (und nicht in der Klinkerbauweise der "jüngeren Zeit") bauen möchten, finden Sie hier Anregungen...

 

Wie es mit Klassikern ist- schätzen Sie sich glücklich, wenn Sie es irgendwo einmal im Antiquariat erspähen... oder aber sie schauen mal bei den größeren Bibliotheken vorbei, sowohl die Städtischen Bibliotheken Dresden als auch die Slub haben das Buch in der Sammlung.