Die Sorbische Lausitz


Sorbisches Mädchen in Hoyerswerdaer Tracht Postkarte
Foto: Steffen Lange

Wer in die Lausitz kommt, wird sehr bald etwas feststellen: Die Ortseingangsschilder werden zweisprachig. Das ist wohl das Offensichtlichstes, was den Besucher zumeist erstmal irritiert, so Manchen auch schon einmal vermuten läßt, er wäre "zu weit" gefahren und dies wäre schon Tschechien oder Polen.  Weit gefehlt! Sie befinden sich in der Heimat der Sorben, einem kleinen slawischen Volksstamm, den es vor rund 1500 Jahren hierher verschlagen hat. Seitdem trifft man hier die sorbische Sprache (ähnlich dem Polnischen oder Tschechischen, da ebenso slawischen Ursprungs) an- und mit viel Glück begegnet man in den Dörfern Frauen in ihren traditionellen Trachten. Leider ist dies immer seltener der Fall, da einerseits der arbeitsbedingte Wegzug der Jüngeren und andererseits die Internationalisierung es schwer machen, alte Traditionen aufrecht zu erhalten.  Gerade deswegen ist es den Sorben eine Herzensangelegenheit, ihre Bräuche und die Sprache zu schützen und zu erhalten. Nachdem es Anfang der Neunziger Jahre erstmal interessanter schien, sich die große Welt zu erschließen, kommt es seit ein paar Jahren zur Rückbesinnung. In manchen Dörfern ist es selbstverständlich, das die Kindergartenkinder wieder sorbisch lernen und vor allem die Bräuche nicht vergessen. Zampern und Vogelhochzeit halten gehören da ebenso mit dazu wie das Erlernen des Eier Verzierens oder das Tragen der ortstypischen Tracht zu Festlichkeiten.

Die beste Gelegenheit, sorbisches Brauchtum zu erleben, ist die Zeit um Ostern, wo man sich vor allem das Osterreiten am Ostersonntag nicht entgehen lassen sollte.


Sorbische Bräuche im Jahreslauf

Die Sorben unterteilen sich in Niedersorben und Obersorben. Jede dieser Gruppen hat ihre Bräuche, die teilweise von Ort zu Ort variieren, darum kann dies nur eine kleine Auswahl sein, die mir selbst am geläufigsten ist und die in der Krabatregion (Obersorbisch) am typischsten sind.

Ptači kwas - Vogelhochzeit:

Am Morgen des 25. Januar stellen die Kinder Teller vor die Tür oder auf das Fenster, damit die Vögel ihnen Süßigkeiten hineinlegen können. In vielen sorbischen Kindergärten wird an diesem Tag ein traditioneller Hochzeitszug aufgeführt, allen voran der Hochzeitsbitter. Ihm folgen Braut und Bräutigam, die Patinnen, die Brautjungfern und danach "die ganze Vogelschar". Die ist auch der Hintergrund des Festes. Man sah in früherer Zeit, das manche Vögel schon zu dieser Zeit Eier legen- und natürlich mußte davor geheiratet werden.

Für die Kinder ist es jedes Jahr ein Erlebnis, sich zu verkleiden und durch das Dorf zu ziehen, um denen zu danken, die beim Vorbereiten halfen.

 

Camprowanje -Das Zampern:

So wie in anderen Regionen die Fastnacht gefeiert wird, hat die Jugend bei den Sorben ihren eigenen Festumzug. Es geht laut und fröhlich zu, und in manchen Regionen lernen die Kleinen das Laufen, denn Schornsteinfeger oder auch Clown sind schnell wenn es darum geht, Gesichter schwarz zu schmieren. Dies soll im Neuen Jahr Glück bringen.

 

Ostern

Jutry- Ostern:

Das Osterfest wird bei den Sorben besonders hervorgehoben, schließlich feiert man das Aufblühen der Natur und den Neubeginn- für ein bäuerlich geprägtes Volk war dies schon vor der Christianisierung ein wichtiger Punkt im Jahreskreis. Später kam die Auferstehung des Herrn hinzu, und die alten Traditionen verschmolzen mit dem christlichen Fest.

 

Jejkamolowanje- Ostereierverzieren:

Schon Wochen vor dem eigentlichen Ostertag werden überall Eier ausgeblasen und dann kunstvoll verziert. Dabei gibt es verschiedene Techniken, deren Anwendung in den Familien von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Am Bekanntesten ist wohl die Wachstechnik, bei der mit einer beschnittenen Gänsefeder heißes Wachs in geometrischen Mustern auf das Ei aufgetragen wird. Nach dem Färben und dem Arbeiten in verschiedenen Schichten wird dann das Wachs an einer Kerze wieder erhitzt und entfernt. Und weil es doch auch vorkommt, das es dann auf einmal knackst und die ganze Mühe umsonst war, werden im nächsten Jahr wieder Eier verziert.

Bei der Kratztechnik braucht es zeichnerische Begabung und Feingefühl, denn das Muster wird aus dem fertig gefärbten Ei gekratzt.

Bei der Ätztechnik werden mit einer Ätzflüssigkeit und einem Gänsekiel Motive in das Ei geätzt. Auf den Ostereiermärkten der Region kann man die verschiedenen Techniken hautnah erleben.

 

Jutrowne spěwanje-Ostersingen:

Angeführt von der Kantorka- der Vorsängerin- zogen die jungen Mädchen in der Osternacht früher von Haus zu Haus, um vorösterliche Lieder vorzutragen. Gekleidet in der Halbtrauertracht traf man sich zuerst bei der Kantorka und erst bei Sonnenaufgang begab man sich auf die Singebänke, um die Auferstehung des Herrn zu verkünden. Heute ist dieser Brauch seit einigen Jahren wieder bei den Schleifer Singefrauen, den Kantorki, anzutreffen.

In der Niederlausitz kann man am Karfreitag in der evangelischen Kirche in Dissen den Frauenchor "Łužyca" mit den alten wendischen Osterchorälen erleben.

 

Jutrowna woda- Osterwasserholen:

Vor Sonnenaufgang am Ostersonntag gehen die Mädchen zu einer Quelle oder zum Fluß, um Wasser zu schöpfen. Es soll Gesundheit, Schönheit und ewige Jugend bringen- allerdings nur, wenn dabei nicht gesprochen wird! Deshalb versuchen die Burschen natürlich, die Mädchen zu erschrecken, denn dann bringen sie nur "Plapperwasser" heim.

Der Brauch wurde in den letzten Jahren in einigen Dörfern wiederbelebt.

 

Walkowanje- Waleien /Bautzener Eierschieben:

Schon früher war es bei den Sorben eine  schöne Tradition, am Ostersonntag mit den Kindern zu Waleien. Dabei lassen Kinder nacheinander je ein Ei über eine Bahn hinabrollen, und wenn Sie das Ei eines anderen treffen, gilt dieses als geschlagen.

Daraus entwickelte sich nach 1900 das Bautzner Eierschieben auf dem Protschenberg, bei dem die Kinder nach gekochten Eiern, Semmeln und Gebäck rannten, welche von den reichen Bürgern den Hang hinuntergeworfen wurden. Während der Weltkriege wurde dieser Brauch verboten, und auch eine Wiederaufnahme um 1960 hielt sich nur wenige Jahre. Seit dem Jahr 2001 ist der Brauch nun wieder vor Ort zu erleben und erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit, auch wenn heute als Wurfelemente Plastikbälle statt Eiern eingesetzt werden, die dann von den Kindern gefangen und gegen kleine Gewinne eingetauscht werden. Bei diesem Spiel ist den Anweisungen des "Eierjockel" Folge zu leisten!

 

 

Křižerjo- Osterreiterprozessionen:

Der wohl bekannteste Brauch der Katholischen Sorben geht auf den vorchristlichen Brauch, die Felder im Frühjahr zu umreiten, um sie vor der Missgunst böser Geister zu schützen, zurück. Dies wandelte sich in eine christliche Prozession um, bei der schon bei Sonnenaufgang die Reiter in den Dörfern zusammenkommen und um Gottes Segen bitten. Dann begibt sich die Prozession singend auf Ihren Tagesritt über Felder und durch die Dörfer. Während diesem Tag dürfen sich die Prozessionen nicht begegnen, deshalb gibt es vorgeschriebene Routen.

 

Da nicht jeder Reiter heutzutage noch über ein eigenes Pferd verfügt, ist das Osterreiten schon im Vorfeld eine logistische Meisterleistung. Pferde wie auch arbeitsbedingt weggezogene Reiter kommen aus ganz Deutschland; die Mähnen müssen geflochten, das Pferdegeschirr auf Hochglanz gebracht werden. So verlebt der ein oder andere Osterreiter seinen Urlaub in der alten Heimat im Pferdestall. Und bei allem gilt es, daß der Gehrock und Zylinder hoffentlich auch nach Jahren noch passen!

 

Hier erfahren Sie mehr zu den Prozessionen.


Ein "lauter Brauch" im Oberland: Das Osterschießen

Kein direkter sorbischer Brauch, aber einer, den man nicht überhören kann, wenn man von Bautzen aus in Richtung Oppach und das Oberland kommt. Vom Ostersamstag auf Ostersonntag soll lautes Geböller Hexen und böse Geister vertreiben. Dafür kommt eine selbst gebaute "Karbidkanone" zum Einsatz- die Jugend der Region schwört auf alte Milchkannen mit Gummideckel sowie die richtige Menge Karbid und einen hohen Standpunkt auf luftiger Bergeshöh für den guten Hall.


 

Bei einer Tagestour in die Oberlausitz erfährt man mehr...

 

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