Sachsen- ein Genießerland

Wer nach Sachsen kommt, muß auch einmal die regionale Küche probieren.  Schon unser August der Starke galt als Genießer- auch wenn er nur fortführte, was Generationen vor ihm schon gelebt hatten.

Auf die interessante Geschichte sächsischer Kochkunst und Festkultur stieß ich während des Studiums der sächsischen Landesgeschichte bei 2 Seminaren von Dr. Josef Matzerath, die sich zum einen mit der Hofhaltung Johann Georgs II. beschäftigten (des Großvaters Augusts des Starken) und zum anderen mit dem Essen und Trinken in Sachsen im 20. Jh. Als begeisterte Hobbyköchin ließ mich das Thema nicht mehr los, und durch Zufall (oder Schicksal?) bekam ich wenige Jahre später den Auftrag, Amerikanischen Journalisten bei einer Sondertour "A taste of Saxony" näher zu bringen.

 

Gern möchte ich auch Ihnen einen kleinen Einblick in die Sächsische Küche bieten- nicht nur bei einem Rundgang sondern zum Nachlesen auf diesen Seiten. So können Sie schon einmal entscheiden, was man unbedingt probieren sollte, wenn man in Sachsen weilt. Und wer weiß-vielleicht wird es einmal Kulinarische Touren geben...


Die Sorbische Küche

Sucht man im Internet nach Sorbischer Küche, so sucht man meist vergebens. Ausser der Hochzeitssuppe ist nicht viel zu entdecken, und man könnte glatt meinen, die Sorbische Küche existiere nicht wirklich.

Doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gibt sie sehr wohl, nur leider wird sie in unseren modernen Zeiten leicht vergessen, weil sie so einfach ist und oftmals nicht der Auffassung von "moderner" Küche entspricht.

 

Jeder Lausitzer kennt Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Und das es im Spreewald viel Fisch gibt, ist auch kein Geheimnis. Andere Gerichte sind weniger bekannt. Zum Beispiel die Stippe oder die Fliederbeersuppe. So manches Gericht stirbt mit den letzten "echt sorbischen" Köchinnen und wird vergessen. Manchmal ist es dann sehr schwer, sich noch an den Geschmack zu erinnern. Wie war das damals, als die Wowka (oder in meinem Fall die Spitschka) noch lebten. Was aßen wir da? Ich kann mich an etwas erinnern, was so einfach ist, das es wohl kaum als Gericht zählt. Warme Milch mit Weißbrotbrocken. Ich weiß nicht mehr, ob die Milch gesüßt war- aber was ich weiß ist: ich bekam immer das Brot, die Uroma trank die Milch. Und dann dürfte ich Mehl und Griess und all das, was ich im Schrank fand in einen großen Topf schütten und rühren. Seitdem sind Jahre vergangen, aber wenn ich die Liebe zum Kochen und zum Improvisieren irgendwo gelernt habe, dann wohl in diesen jungen Jahren! Und da meine Uroma Sorbin war, ist all das, was ich aus dieser Zeit kenne, irgendwie auch Sorbisch.

 

Vielleicht ist es gerade das, was Regionalküche ausmacht. Nicht das Besondere, nicht das "Anders" sein. Es ist das, was zu Hause ist- was nicht "fremd schmeckt". Und so ist etwas vielleicht gar nicht sorbisch-aber weil es wie "Zu Hause" schmeckt, werden Sorben es als ihre Küche empfinden.

 

Update: Nach langer Suche kann ich endlich ein Kochbuch zur Sorbischen Küche empfehlen- und siehe da, die Milch mit Brot ist wirklich sorbisch gewesen- vielleicht mal ein Grund, es wieder auszuprobieren?


Der Patenzopf

An Ostern holen die Kinder der sorbischen Oberlausitz ihre Patengeschenke traditionell mit einem speziellen Korb ab, in den die Patentante dann gekochte, farbige Eier und den Patenzopf legt. Es handelt sich dabei um einen traditionellen, süßen Milchzopf, der früher sicherlich noch selbst gebacken wurde, heute aber auch bei den Bäckern der Region erhältlich ist.

 

Ostern bei den Sorben


Lausitzer Leinöl

Was wäre die Lausitz ohne ihr Leinen? Leinen und Flachs gehören zu uns, schließlich mußte früher den Mädchen eine Aussteuer mitgegeben werden. Sie bestand aus gewebten Tuchen aus Leinen, die in der großen Brauttruhe aufbewahrt wurden.

 

Wenn es etwas gibt, was für mich typisch sorbisch ist dann sind es die Stoffe- derbe Naturfasern ,die unkaputtbar die Zeiten überdauerten genauso wie Blaudruck-Motive und die Mädchentrachten in den leuchteten Farben rot, grün und weiß. Nur wenig verbindet die Gemeinschaft der Sorben mehr als das Spinnen, das Weben und der Stolz auf die geerbten Stücke, die schon die Uroma fertigte und die immernoch- und sogar wieder mehr durch Modetrends wie Chabby Shic und Co. - unsere Wohnungen schmücken und mit denen das Geschirr doch viel besser trocken wird als mit all den modernen Stoffen. 

 

Flachs oder Leinen ist eine Pflanze, die auch in unseren Sagen eine wichtige Rolle spielt.

Welches sorbische Kind lernt nicht die Mittagsfrau fürchten, die jeden holt, der zur heißesten Mittagszeit noch auf dem Feld arbeitet und nicht ruht?

Heute glauben wir zu wissen, das diese Mittagsfrau nur eine Halluzination ist, verursacht durch die heiße Luft über den Feldern und das die Geschichte nur eine Warnung ist, Mittags besser zu ruhen. Aber wer weiß...

 

Beim Flachsanbau entsteht auch reichlich Leinsamen, den man nicht nur für das bekannte Brot verwenden kann sondern der vor allem als Leinöl gepreßt besonders wertvoll und gesund ist. Ob einfach mit Brot genossen oder zum- mir liebsten- "Arme-Leute-Essen" Pellkartoffeln mit Quark - traditionell gehört in den Quark eine Höhlung, in die man etwas Leinöl gießt und die Kartoffeln dann stippt. In Zeiten von Kalorienersparnis und neuem Gesundheitsbewußtsein hat es dieses Gericht auch in die nobelsten Restaurants geschafft- und wie ich finde vollkommen zu Recht! 

 

Mehr zum Leinöl und interessante Rezepte finden Sie auf den Seiten der Lausitzer Ölmühle Hoyerswerda.

 

 


Sorbische Hochzeitssuppe


Rindfleisch mit Meerrettich

Die Küche der Sorben ist, wie bereits erwähnt, eine Küche der Bauern und einfachen Leute. Zum Bauernhof gehört es auch, zu Schlachten und Fleisch an manchen Tagen mehr zur Verfügung zu haben als an anderen. Traditionell zum Hochzeitsfest, aber auch zu winterlichen Festen gibt es bei den Sorben Fleisch im Überfluss. Dies wird traditionell gekocht (Schweinefleisch wird zu Wellfleisch, das Rindfleisch ähnelt sehr stark dem Tafelspitz anderer Regionen). Wer es mager liebt wählt das Rind, fettiger und gehaltvoller, aber eben auch saftiger, ist das Wellfleisch.

 

Nachdem ich in Hessen Tafelspitz mit Meerrettich serviert bekam und es doch sehr stark dem "sorbischen" Nationalessen ähnelte vermute ich, das es gar nicht so viele typisch sorbische Speisen gibt, aber das nur am Rande...

 

Bei der sorbischen Hochzeit oder dem großen Fest würde man dann 2 Versionen finden:

 

Einmal wird in einen tiefen Teller eine Scheibe (älteres!) Brot gelegt, eine Scheibe Fleisch darauf, Sauerkraut dazu und dann mit Brühe übergießen. Eventuell noch einen Klecks Bautzner´ drauf. Als Kind mochte ich das viel mehr als den scharfen Meerrettich!

 

Die 2. Version ist der Namensgeber: Rindfleisch, Meerrettichsauce (Ordentlich scharf! Es muß brennen in der Nase, hilft bei Schnupfen!) und Brot, Sauerkraut nach Wunsch. Die Meerettichsauce ist eine helle Sauce auf Mehlschwitz-Basis. 

 

Wenn man bedenkt, wie hart die Bauern früher arbeiteten erklärt sich auch, wie solche Gerichte dann verarbeitet wurden... 


Aus Teichen und Seen

Die Lausitz besteht gefühlt aus wenigen Komponenten: Kiefernwälder, Sand, Heide, Moore

- und jeder Menge Teiche und Seen. Darin fühlen sich vor allem Karpfen und Schleie, Zander und Hecht wohl.

 

Der Karpfen ist wie vielerorts ein sehr beliebter Festtagsfisch. Er wurde in meiner Kindheit auf eine Art zubereitet, die mir den Karpfen an sich leider auch nicht sympathischer machte- aber das ist reine Geschmackssache und meine Familie liebt den Karpfen bis heute in dieser Form. Der Karpfen wird dafür in 2 Hälften geteilt, sodaß man die Innenseite nach oben liegen hat. Dann wird darauf eine saure Sahne- Speck- Mixtur, mit Paprikapulver gewürzt gegossen und das Ganze im Ofen gebacken. Ein genaues Rezept werde ich bei Gelegenheit noch nachlegen, da mich auch die kalorienärmere Variante des Karpfen "Blau" nicht für diesen Fisch begeistern konnte ist mir das Rezept völlig entfallen. 

 

Hecht in Senfsauce ist ein weiteres Gericht, das man wohl mehr in der Spreewälder Region antrifft. Heutzutage wird von den Spitzenköchen sehr viel experimentiert, und so ist es mittlerweile schwer, historische sorbische Fischrezepte zu finden. Ich nehme an es war wie mit allem- es mußte schnell gehen und am besten von allein gar werden.

 

Ob der Zander auf Gemüsebett nun eine neue Erfindung ist oder schon immer bekannt war ist da schwer zu sagen, ausprobieren sollte man ein Fischgericht auf jeden Fall, wenn man vor allem in der Niederlausitz / dem Spreewald unterwegs ist.

 

Oder aber man geht im Sommer ins Dubringer Moor, gleich bei Wittichenau und folgt den Hinweisen zu Zelder´s Fischrestaurant. Da kann man dann gleich noch Kahn fahren auf den Teichen aus denen der eben verzehrte Fisch stammte.


Sorbische Plinse

Bitte sprechen sie nicht von Eierkuchen. Und erst recht nicht von Pfannkuchen (Wundern sie sich nicht, wenn man ihnen auf diese Bestellung hin "Berliner" serviert). Bei uns heißt das Plinse (oder auch Plinze gesprochen). Und traditionell werden sie mit Buttermilch gemacht- nur nicht so viele Eier, das macht sie zu fest.

Der letzte Versuch, sie wie früher zu machen endete etwas zu säuerlich- vielleicht war die Buttermilch früher anders- so wie viele Rezepte, die heute einfach nicht mehr recht gelingen wollen, weil die Zutaten "besser" (?) sind, früher immer klappten.

 

Nun- wir probieren noch ein wenig, fragen nochmal in der Krabatmühle und wer weiß? Vielleicht ist es doch die Magie des Ortes, die zum Gelingen beiträgt... Auf alle Fälle können Sie die Plinse dort geniessen und sicher sein, daß es die Echten sind. Sorbische Plinse sind nunmal keine Dresdner Originale und man bekommt sie NUR in der Lausitz!


Das Krabateis

Viel schwarze Magie war wohl im Spiel, als der Verein Krabatmühle e.V. ihrem Schwarzen Müller gleich noch die passende sommerliche Erfrischung versorgte. Die "Vanille & Marille Eismanufaktur Berlin" machte es möglich, und so gibt es seit einiger Zeit Schwarzes Eis an der Krabatmühle Schwarzkollm. Dank natürlicher Pflanzenkohle wird aus Schoko-Eis eben Schwarzes Eis. Zugegebenermaßen schmeckt man einen Unterschied-probieren sollte man es jedoch auf alle Fälle.

An der Schwarzen Mühle ging es allerdings noch nie mit rechten Dingen zu- sein Sie also gewarnt! Und vergessen Sie nicht, hier auch die echten Sorbischen Plinsen zu kosten.


Oberlausitzer Regionalküche

 

Gibt es eine Oberlausitzer Regionalküche? sollte wohl eher die Frage sein. Ich denke, ja. Da ich allerdings meist in Familie speise und das sicherlich auch zu Unterschieden führt, kann ich nur das berichten, was ich in den letzten 15 Jahren für mich herausgefunden habe. Die Oberlausitz ist so groß, das ich es als Oberlausitzerin selbst nicht wußte wie weit das geht.

Für uns war Oberlausitz alles südlich von Bautzen. Wir waren ja Sorben! Und somit ist Bautzner´Senf typisch, oder?

 

Wenn man dieses Thema etwas eingrenzen will, dann befindet man sich schnell im Oberlausitzer Bergland, wo die schönen Umgebindehäuser zu finden sind. Die Menschen sind geprägt vom Weberhandwerk, langen Wintern und dem ländlichen Leben. Also sollte man keine Haute Cuisine mit internationalem Einschlag erwarten! Es gibt ein paar Produkte die in dieser Oberlausitz, wie ich sie erst kennenlernte, viel mehr verwendet werden als in meiner alten Heimat: Kümmel und Mohn. Ich nehme an das liegt an der Nähe zum Böhmischen, viele Gerichte sind auch mit Böhmischen oder Sorbischem Einschlag- es ist eben eine Grenzregion.

 

Und dann gibt es noch die Zutat aller armen Regionen, die in den letzten 150 Jahren ihren Siegeszug über preußische Grenzen trug: Abern (Kartoffeln).

In den Wäldern gibt es meist viele Pilze, womit diese auch öfters verwendet werden.

 

Ich mußte ein paar Begriffe neu lernen und diskutiere noch heute darüber, das das nur "bei Euch" so heißt. Oder kennen Sie vielleicht "Gewiegtebrutl" oder aber:

Die "Teichelmauke" - Das Nationalgericht der Oberlausitzer! 

 

Was ist "Teichelmauke"? Das habe ich mich auch gefragt, bis ich zum ersten Mal davor saß. Man bekommt es nicht unbedingt in der gehobenen Gastronomie, aber Gasthäuser mit Regionalem Bezug bieten es schonmal an. Es handelt sich dabei um Kartoffelpüree, in das eine Kuhle gemacht wird, in die Rindfleischbrühe gegeben wird. Die Brühe wird auch im Kartoffelpüree anstelle der Milch verwendet. Dazu kommt dann noch das gekochte Fleisch. Eben ein "Teich" in der "Mauke".

Ich als Sorbin fühlte mich da sehr stark an unser "Rindfleisch/ Wellfleisch mit Meerettich" erinnert.So unterschiedlich ist die Kochkunst eben nicht, aber wir würden NIEMALS Kartoffelpürree zu unserem Wellfleisch essen! Jedem eben das Seine, geschmeckt hat es noch überall!


Aus der Oberlausitz in die Welt- Bautzner´

Wir geben unseren Senf dazu...

 

Servieren Sie einem "Ossi" (ja, ich weiß, immer dieser Begriff- aber so ist das nunmal, wir leben im Osten und nach 25 Jahren muß das auch nicht immer ein Schimpfwort sein. Und das zu beschreibende Phänomen betrifft nunmal nicht nur Sachsen oder, oder, oder...)

mal etwas anderes als "Original Bautzner Senf". Machen Sie sich gefaßt darauf, das es da Einspruch hagelt. Nur Bautzner´ ist Senf, alles andere- naja.

 

Wenn es ein paar Dinge gibt, die den "Nationalstolz" des ehemaligen DDR-Bürgers treffen dann ist Bautzner´ ein Teil davon. Das große Mengen davon gar nicht mehr in Bautzen produziert werden ist dabei nebensächlich, schließlich geschieht das aus gutem Grund: Wir verkaufen soviel davon!!! 

 

Wie kann das sein? Ein Ostprodukt welches in GANZ Deutschland ein Begriff ist? Da gibt es wenige. Mir fällt noch Rotkäppchen Sekt und Radeberger Bier spontan ein.  Sicherlich auch noch Anderes, aber beim Bautzner´ ist das etwas anderes. Sie merken es schon, ich sage nicht Senf, das lassen wir getrost weg, denn jeder kennt den guten Bautzner´ . Was kann denn bitte regionalspezifischer sein als die Stadt als Namen? Man könnte jetzt sagen, das gibt es doch ganz oft: Wiener, Berliner, Hamburger,.... aber das ist etwas Anderes. Den Berliner bäckt man Ihnen auch in Hamburg, wo er sicherlich auch etwas anders schmeckt (und ich bin mir da auch gar nicht so sicher, ob die Berliner nicht Pfannkuchen sagen?) Aber: Bautzner´ hat ein festes Rezept (ohne all den Schnickschnack), darf nur von dieser einen Firma hergestellt werden und jedes Kind weiß, das das "von hier" kommt. 

 

Eigentlich gehört Bautzner´ somit heute keiner Regionalküche mehr an. Er wird ja überall verwendet. Aber: Wenn die Oberlausitzerin noch Gulasch oder Rouladen braten möchte und da nunmal Senf reingehört, dann gibt es da keine Alternative, sie kann ihren Mann mit den zwei linken Händen beim Kochen losschicken: Hol Senf!- Er würde nicht fragen: Welchen?

 

Mehr zur Oberlausitzer Regionalküche erfahren Sie hier

 


Gewürzküche in Sachsen- Kochkunst um 1600

Die neue Sonderausstellung in der Hoflößnitz

Hoflößnitz in Radebeul

 

Die Neueditierung des Buches "New / Kunstreich vnd Nützliches Kochbuch" von Johann Deckhardt aus dem Jahre 1611 durch Georg Jänecke und Prof. Dr. Matzerath gab Anlaß für die Sonderausstellung zu dieser Zeitepoche der Kochkunst in Sachsen. Vor allem die höfische Küche galt mit ihren vielen Gewürzen und den für uns heute wohl eher gewöhnugsbedürftigen Geschmacksrichtungen als hohe Kochkunst und beschäftigt uns genußfreudige Sachsen bis heute.

 

Die Hoflößnitz bietet einen passenden Rahmen dafür. Gelegen in den Radebeuler Weinbergen wurde sie zur Mitte des 17. Jahrhunderts unter Johann Georg I. in der heutigen Grundform errichtet. Jährlich feierte man hier die Weinlese, und auch heute noch ist die Lage Goldener Wagen mit ihren zum Teil historischen Rebsorten eine kleine Besonderheit. Mehr zum Weinanbau in Sachsen erfehren Sie in Kürze auf diesen Seiten...

 

Die Ausstellung kann vom 21.11.14- 31.01.15 zu folgenden Zeiten besichtigt werden (es wird Eintritt erhoben):

 

Dienstag bis Freitag 12.00 − 16.00 Uhr

Wochenende / feiertags 11.00 − 17.00 Uhr

 

Weiteres zum Thema Kochkunst und eine vergangene Sonderausstellung zum Thema

 

 


Fachausstellung: "Tafelkultur- Dresden um 1900"

Flyer zur Fachausstellung "Tafelkultur"
Quelle: Stadtarchiv Dresden

Die neue Fachausstellung des Stadtarchiv Dresden in Zusammenarbeit mit der TU Dresden und dem Team von MOVE IT! YOUNG widmet sich ganz dem Thema, das mich schon länger fasziniert. Wie wurde früher getafelt? Was kam auf den Tisch und wie unterschied sich die Tafelkultur innerhalb der einzelnen sozialen Schichten? Das Thema war bereits während meines Studiums der sächsischen Landesgeschichte ein Kursthema und so freut es mich besonders, das Dr. Josef Matzerath die Ergebnisse dieser jahrelangen Forschung nun in einem Ausstellungskonzept verwirklichen konnte.

 

Die Ausstellung unterteilt sich in 2 Themenbereiche, in denen es zum einen um die Tafeln der Reichen und Ärmeren geht und zum anderen um die Nahrungsmittel und Hoflieferanten an sich.

Desweiteren wird die Ausstellung von einem Katalog sowie Fachvorträgen begleitet.

 

Für alle, die wissen wollen, was auf den Teller kam bei Königs und den Untertanen und sich wie ich für dieses Thema begeistern, ist diese Ausstellung ein Muß!


Ein kulinarischer Konzertabend: Christina Rommel


Christina Rommel

 

 

 

August der Starke hätte an ihr sicherlich seine Freude gehabt. Eine junge Frau singt über die süßen Sünden, die man sich einfach manchmal leisten muß. Ich hoffe, sie denken jetzt an Schokolade, denn darum geht es hier.

 

Den Pressetext dazu finden Sie untenstehend.

 
 
Christina Rommel und der Chocolatier werden die Gäste
musikalisch und kulinarisch verführen und verwöhnen.
Während Christina Rommel facettenreich die Bandbreite ihres
Könnens präsentiert, werden vom Chocolatier Köstlichkeiten
aus Schokolade bereitet, die dann von den Schokoladenmädchen
serviert werden. Ein Genuss für alle Sinne!
Christina Rommel spielt mit ihren Musikern eigene, melodisch
eingängige Songs rockig oder sanft verpackt, kombiniert mit guten
deutschen Texten. Besonderes Highlight im Tourkalender der
sympathischen Musikerin sind allerdings die Schokoladenkonzerte
und der Hit der sinnlichen Art ist der Song „Schokolade“. Er ist Tribut,
Liebeserklärung und persönliches Geständnis an die wichtigste süße
Nebensache der Welt.
 
Weitere Infos erhalten Sie unter:
www.schokoladenkonzert.de

Kamenzer

Wenn es um die Wurst geht, dann kann damit auch gemeint sein: Wer darf die Wurst wie nennen? Im Jahre 2010 beschlossen Kamenzer Fleischer, ihre "Kamenzer" als "Wort-und Bildmarke" schützen zu lassen. Nun dürfen nur noch Kamenzer das "Gamenser Gnaggwärschdl" anbieten.

Erstmals wurde die Wurst 1859 zum Forstfest vom Fleischhauermeister Carl Heinrich Miersch hergestellt. Er hatte das Recht, die Garküche zu betreiben und so entstand eine Knackwurst mit festem Biss, die man vielleicht auch als eine Mischung aus Wiener und Knacker bezeichnen könnte. Man genießt sie warm oder auch kalt, zu Brot und Bautzner Senf.

 

Und da sind wir auch schon wieder beim Streitfall. Die Bautzner Fleischer möchten auch gern "Kamenzer" verkaufen, schließlich sind die Kunden es so gewöhnt. Gegen eine Gebühr dürfen sie dies auch- oder aber: sie sind kreativ und nennen sie einfach anders. Taubenheimer zum Beispiel. Die treuen Kunden haben sich längst dran gewöhnt... und wenn sie Kamenzer bestellen, weiß jede gute Fachverkäuferin, was gemeint ist.


Ä Scheelchen Heeß´n- die Kaffeesachsen

Ei! wie schmeckt der Coffee süße,

Lieblicher als tausend Küsse,

Milder als Muskatenwein.

Coffee, Coffee muß ich haben,

Und wenn jemand mich will laben,

Ach, so schenkt mir Coffee ein!

 

aus: Kaffeekantate: Joh.Seb.Bach. Dichter: Picander

 

Das Land Sachsen gilt als größter Kuchenerfinder Deutschlands. Das mag wohl daran liegen, das uns Kaffee allein nicht glücklich machte und wir was zum "diddschen" brauchten, wenn wir "condiddern" gingen. Ich nehme an, nicht jedem sind diese Begriffe bekannt, deshalb fangen wir einmal ganz von vorne an:

 

Wie Sie vielleicht wissen, war der Kaffee nicht immer so erschwinglich wie heute. Er galt im 17. Jahrhundert als Exoticum, einzelne Bohnen wurden als Souvenir aus den arabischen Ländern mitgebracht. Die weitere Geschichte können wir gern gemeinsam in Leipzig im "Coffee Baum" nachvollziehen. Schon Johann Sebastian Bach holte sich in Leipzig seine Inspiration zur Kaffeekantate und dichtete somit den Kaffeesachsen ihre eigene Hymne.

 

Kurz gesagt war es ein Getränk der Reichen, die sich erst noch an den Geschmack gewöhnen mußten (und an den Kaffeesatz, der bis zur Erfindung des Kaffeefilters durch die Dresdnerin Melitta Benz ein treuer Begleiter war).

Nach und nach wurde der Kaffee auch für die einfache Bevölkerung bezahlbar, und so entstand das, was wir heute nicht nur in Sachsen als "Kaffeetrinken" am Nachmittag bezeichnen.

Zum "Kaffeesachsen" wurden wir allerdings aus Spott- denn in den erzgebirgischen Regionen nahm der Kult des Kaffees- vor allem aus Kostengründen des Ersatzkaffees aus Zichorienwurzel- derartige Ausmaße an, das es für manchen Besucher schon eine Qual war...

 

Soviel zum Thema wir Sachsen und der Kaffee, den wir (angeblich) mit Milch und viel Zucker nehmen. Wovor man sich hüten sollte, ist der Blümchenkaffee, den Sie heutzutage allerdings weit weniger antreffen werden als in wirtschaftlich armen Zeiten, als der Kaffee noch so dünn war, das man den Tassenboden erkannte. Der Begriff Blümchenkaffee war übrigens anfangs keine Schande- denn wenn sie sich Meißner Blümchen in der Tasse leisten konnten, und dann noch Kaffee dazu, waren sie wer!

Sie merken schon- das Kaffeetrinken in Sachsen zieht weite Kreise.

 

Und so können wir auch den Papst nicht außen vor lassen, denn ihm verdanken wir die Butter im Stollen. Nach und nach wurde aus einem Fastengebäck ein gehaltvolles Weihnachtsgebäck. Und das führte wiederum zu neuen Kuchenkreationen.Diese süße Liebe ging durch alle  Schichten: August der Starke genoß die selbst gebackenen Zibeben seiner Gräfin Cosel (eine Art Rosinen in Weinteig ausgebacken), Fürst-Pückler gab seinen Namen für eine Eiskreation des Konditors Schulz und der letzte sächsische König Friedrich August III. liebte seinen Milchreis mit Zimt und Zucker. In seiner Zeit erlebte auch das "condiddern gehen" seinen gesellschaftlichen Höhepunkt, was man andernorts wohl als Kaffeehauskultur bezeichnen würde.

Und wenn Sie das mit dem "Diddschen" noch nicht kennen, laden Sie sich doch einfach einen echten Kaffeesachsen zum Scheelchen Heeß´n ein- da lernen Sie´s.


Die Meißner Fummel

Der Bäcker nimmt ´nen Batzen Luft,

bläst bissel Teig drum rum;

schon zieht der Fummel würz´ger Duft

ins liebe Publikum.

 

Die Meißner Fummel und das Porzellan haben viel gemeinsam- vor allem ihre Zerbrechlichkeit- und nur durch die neu gegründete Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg entstand erst das luftige Gebäck. Die Trinkfreudigkeit der Kuriere war es letztendlich, die August den Starken auf die Idee brachte, Zwischenstopps bei den schönen Wirtshaustöchtern einen Riegel vorzuschieben.

Die Konditoren sollten sich etwas einfallen lassen, was so dünn und zerbrechlich ist, das schon die kleinste Erschütterung zum Reißen, Bröckeln oder gar Zusammenfallen führen würde. Ab 1710 wurde den Meldereitern also "Meißner Luft" in die Hand gegeben, die sie heil in Dresden abliefern mußten, um sich selbst vor Strafe zu schützen.

 

Heute kann man die Fummel bei der Bäckerei Zieger erwerben und selbst sein Glück versuchen (bei einem Rundgang in Meißen kommen wir daran vorbei).


Die Eierschecke

Immer wieder werden wir von unseren Gästen gefragt:

"Was können sie denn als regionale Spezialität empfehlen?"

Der echte Dresdner überlegt nicht, es kommt ihm wie aus der Pistole geschossen über die Lippen:  "Dresdner Eierschegge."

"Eierschnecke?"

"Nein, EierSCHECKE, ohne N."

 

Ja und dann versuchen wir zu erklären,was man besser einfach probiert. Wir erzählen vom Hefeteig, der Quarkschicht, eventuell anzutreffenden Rosinen und natürlich dem wichtigsten Teil: der Eischaumschicht. Spätestens jetzt freut sich der Dresdner wieder auf seinen geliebten Gaffe -mit Eierschegge. Natürlich.

Keiner weiß, wer diese süße Köstlichkeit erfunden hat, aber wir nehmen mal an, sie kommt aus gutem Hause, anders ist die Verwendung so guter Backzutaten nicht zu erklären. So mancher behauptet, sie wäre zuerst am sächsischen Hofe gesehen worden. Da der Sachse aber schon immer Quarkkuchen liebt, nehmen wir einfach einmal an, das ein besonders gewitzter Bäcker eine gute Idee hatte und einen Kuchen daraus machte, der in seinen Schichten "gescheckt" ist.

 

Ich empfehle, in Dresden in ein gutes Café einzukehren oder einen der vielen Bäcker aufzusuchen- die Eierschecke ist eine Kunst für sich und nicht immer gelingt sie so wie gedacht. Kaufen Sie die Eierschecke da, wo Sie sie sehen- sie muß schön fluffig und saftig sein und mehr Quark und Schecke als Boden haben.

 

Und bitte: wenn es Ihnen nicht schmeckt- was ich nicht glaube- dann sagen Sie es nicht den Dresdnern. Denn da verstehen wir keinen Spaß!