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Familie Müller vom Weissen Hirsch- ein prunkvolles Mausoleum gibt Rätsel auf...

 

 

Wer sich so ein luxuriöses Grab leisten kann- mit einer Figurengruppe von Schilling- der muss doch zur Dresdner Prominenz gehören, oder?

 

Das dieses Grab ein interessantes Eigenleben hat, war irgendwie klar- denn Herrn Müller zu finden wäre doch zu einfach, oder? 

Mehr als nur EINE Familiengeschichte

 

Johann Carl Müller (1867-1944) war der Besitzer der Dresdner "Universelle" Zigarettenmaschinenfabrik, der das Mausoleum als Familiengrabstätte auf den Waldfriedhof brachte.

 

Die Besonderheit, die das Mausoleum in den 1930er Jahren zu einem echten Tourismusmagnet mit eigenem Postkartenmotiv machte, war die Figurengruppe des Jesus, der die (weibliche) Seele- oder wohl eher die ganz reale junge Frau in den Himmel führt. Wie durch ein himmlisches Licht wird die Marmorplastik von oben hell erleuchtet und erinnert in dieser Ausführung doch sehr an das Karl-May-Mausoleum in Radebeul-Ost.

 

Ursprünglich war allerdings ein ganz Anderer der Auftrgaggeber und die Gruft stand auch an anderer Stelle-nämlich in einem Garten an der Maillebahn in Hosterwitz!

Alfred von Fabrice hatte sie für das Grab seiner Tochter in Auftrag gegeben, im März 1919 kaufte Johann Carl Müller das Grundstück und somit auch eine Gruft mit Figurenschmuck. Als im Jahre 1930 seine Ehefrau stirbt, wird die Grufthalle umziehen- auf den Waldfriedhof Weisser Hirsch, wo sie von da an ein "Highlight" wird, das man nicht wirklich übersehen kann.

 

Diese Geschichte klingt fantastisch, birgt aber eine historische Unklarheit, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Alfred von Fabrice hatte mit seiner Frau laut Überlieferung 3 Kinder- 2 Söhne, eine Tochter. Die Geschichte sagt, er habe das Mausoleum für seine früh verstorbene Tochter erbauen lassen- dies würde auch in der Darstellung der jungen Frau durch Schilling passen.

 

Nun gibt es da nur ein kleines Problem: Der Vater stirbt 1891, die Tochter 1905 -mit 51 Jahren und definitiv nach dem Vater! Da die Tochter auch noch mit einem Adligen Henckel von Donnersmark verheiratet war (und wohl eher ihr Ehemann ein Grabmal erstellt hätte?) liegt hier wohl ein Fehler vor. Entweder stimmt das Todesjahr der Tochter nicht- oder es handelt sich nicht um diese Tochter und eine zweite Tochter der Eheleute, die jung starb, wurde übersehen.

 

Das die Familie Fabrice (Vater mit 3 Kindern...) bis 1950 im Mausoleum an der Stauffenbergallee bestattet war und erst dann umgebettet wurde, hilft bei der Auflösung auch nicht viel weiter. Interessant ist natürlich, das diese Familie gleich 2 Mausoleen hinterließ, die Beide nicht auf Friedhöfen standen und somit zum Dresdner "Grab in der Natur" einen entscheidenden Beitrag leisteten.

 

Eine Klärung dieser Ungereimtheit findet sich vielleicht auf dem Familiengrab der Fabrice auf dem Friedhof St. Pauli, und es kommt bestimmt der Tag, an dem es mich dort wieder hin verschlägt. Vorerst gilt wohl- mit Vorbehalt zu genießende Familiengeschichte... 

 

Update: Auflösung gefunden

Bärbel Stephan erwähnt in ihrem Buch die Figurengruppe "Verklärung" als im Jahre 1903 entstandene Skulptur für das Mausoleum der Gräfin Fabrice! Die "Gräfin" ist nicht etwa die Tochter, wie anscheinend kluge Historiker bisher annahmen, sondern die EHEFRAU Anna Friederike Luise von der Asseburg. Deren Todesdatum konnte ich nach etwas längerer Suche nun finden: 1897. Die Dame war allerdings 74 als sie starb- soviel zu der romantischen Verklärung der jung verstorbenen Tochter, die nirgends zu finden ist.

 

Die Geschichte der Grabmäler und ihrer Figuren liest sich dann so:

 

Der Graf von Fabrice stirbt 1891, woraufhin Schilling und Lipsius den Auftrag zum Bau des Mausoleums an der Stauffenbergallee mit Statue darauf bekommen. Schilling arbeitete vorher schon für die Familie und hatte u.a. eine Büste für den Grafen geschaffen. 1893 ist das Mausoleum des Grafen fertig und er wird dort seine letzte Ruhe finden.

  

1897 stirbt die Ehefrau- und anscheinend beschlossen die KINDER, die Mutter im Garten zu bestatten und ihr das Grabmal zu errichten. Die Kinder wurden dann allerdings im Mausoleum beim Vater bestattet und 1950 umgebettet. Nun fehlt nur noch die Auflösung, ob die Mutter auch umgebettet wurde auf den Friedhof St.-Pauli...