Der Frühling meinte es gut in diesem Jahr mit den ersten warmen Tagen.

Die Vögel sangen, die Hummeln summten, die Blumen erblühten. Alles sah nach einem wirtschaftlich guten Start ins Neue Jahr aus.

 

Das Jahr ging sehr stressig los, so wie das Letzte stressig endete. Die Gruppen strömten nach Dresden und auch im Winter waren wir Gästeführer überraschend viel beschäftigt. Es war ein bisschen zuviel des Guten...

 

Ich sagte noch zu einer Kollegin: Ich brauche nochmal etwas Ruhe vor der Saison- das geht so nicht weiter. Irgendwie dreht sich die Welt immer schneller, immer lauter. 

 

Nun ist es so still wie nie zuvor. Nicht einmal Flugzeuge fliegen. Der Tourismus der Welt ist von einem Tag auf den anderen auf Null gesunken. Das Email-Postfach sieht nur noch Stornierungen und wird schließlich bedeutungslos- zum ersten Mal seit 14 Jahren. Ich vergesse drei Tage lang, mein Mobiltelefon anzuschalten- und merke es nicht einmal.

 

Es ist das Jahr 2020. Und nicht nur meine Welt steht auf unbestimmte Zeit still. Als Gästeführerin weiß ich wie so viele KollegInnen nicht, wann ich jemals wieder arbeiten kann. Und ich merke, wie es vielen sehr viel schlechter geht mit dieser Situation wie mir.

 

Irgendwann wird es wieder weitergehen. Die Welt geht nicht unter. Alles macht einen Sinn- so schwer es auch manchmal fällt und so traurig die Konsequenzen eines unsichtbaren Feindes namens Covid-19 auch sind. Das sage ich allen. Und wir werden wieder für unsere Gäste da sein- werden Ihnen wieder die Schönheiten der Stadt Dresden zeigen. Ich bin seit Jahren ein Optimist und so schnell erschüttert mich nichts- das kommt mir jetzt zugute.

 

Aber werden wir danach alle noch die Gleichen sein? Was wird Corona mit uns als Menschen gemacht haben- alles auf Anfang und weiter wie bisher oder finden wir wieder ganz zurück zu uns selbst? Zu dem eigenen Selbst, das man einmal war, bevor man nur noch funktionierte?

 

So weiter wie bisher. Ich will das nicht mehr. Das sagt mein Verstand nach 2 Monaten der inneren Stille. Des In-Sich-Gehens und des Zur-Ruhe-Kommens. Das sagte mein Verstand auch schon im letzten Jahr, aber das Hamsterrad lief weiter. 

 

Nun ist da so viel Zeit für all die Dinge, die 20 Jahre und länger ruhen mußten. Für die man sich immer begeisterte, die man immer als eigenen Teil der Seele ansah und immer auf später verschob. So viel Zeit hatte ich noch nie zur Verfügung- aber was mache ich damit?

 

Gästeführer sind Ruhezeiten im Winter gewohnt. Das ist die Zeit der Weiterbildung. Langweilig wird es uns nie, zu viel Geschichte ist da noch unentdeckt, zu viele Lizenzen noch nicht erworben, zu viele Führungsvisionen noch rudimentär. Sinnvoll wäre es also, nun all dieses ZUVIEL aufzuarbeiten, aufzuholen- hinterherzulaufen. In der Hoffnung, das man dann wieder gleichauf liegt- den Anforderungen des Marktes genügt und dann, wenn es wieder losgeht, ganz schnell fortsetzen kann, was vorher war.

 

Ich will das nicht mehr sagt mein Verstand. Und er hat recht. Es brauchte eine Weltkrise- eine unsichtbare Bedrohung für uns alle, um etwas klarzustellen. Was ist wirklich wichtig im Leben? Wer ist man wirklich in diesem Leben und wer versucht man, zu sein?

 

Es macht Sinn, die eigene Website an die neue Zeit anzupassen- an meine neue Zeit. All das, was ich nicht sein will, womit ich mich nicht wohl fühle, weil es einfach nicht mein Thema ist, gehen zu lassen. Andererseits den Themen, die immer verdrängt wurden- aus Zeitmangel, aus dem Gefühl des "Unpraktischen", weil eben nicht massenkompatibel, endlich den Raum zu geben, den sie verdienen. Weil da mein Herz schlägt- und meine Gäste mir immer wieder sagen, wie sehr man spürt, wie sehr ich meine Arbeit liebe. 

 

Und so tauchen auf dieser Seite nun neue Thematiken wie zum Beispiel Sepulkralkultur auf- eine Thematik, die meine Gäste vielleicht nicht erwarten, wenn sie mich bei einer Führung erleben und ich die Geschichte zum Leben erwecke. Menschen, die mich sehr lange kennen, überrascht es wohl nicht. Denn das bin ich eben auch- ein Mensch der Stille und des Zwischenlichts- so wie ein Sonnenuntergang über dem Terrassenufer eben. Jeder hat seinen eigenen Ort, wo er seine Kraft tankt, und wenn die Welt sich tiefgreifend ändert sieht man sich selbst eben auch verändert und merkt wieder, woher man kommt und wohin es einen zieht. 

 

Wenn Einleitungstexte nicht mehr den Grundregeln des SEO und dem Diktat der Suchmaschinen entsprechen ist das vielleicht verrückt- oder aber ein Neubeginn mit dem eigenen, wahren Ich. 

 

Die Zeit wird zeigen, wohin die Reise geht- aber irgendwann wird die Welt wieder reisen und ich zeige Ihnen gern meine wunderschöne Stadt Dresden. Und vielleicht entdecken Sie dann auch als "Wiederholungsbesucher" der Stadt Dresden noch Neues und Unbekanntes. Die Pfade zum Neuentdecken werden in dieser stillen Zeit gelegt.

 

 

Bleiben Sie gesund und wir sehen uns wieder in Dresden!

 

Ihre Gästeführerin Susann Wuschko