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Carl Roeder und das Grabmal der Familie Weigang


Signatur Carl Roeder Bild: Susann Wuschko

Carl Roeder - mehr als ein Huckup in Hildesheim

 

Carl Roeder wurde 1854 in Greiz geboren, der Stadt, der er im Laufe seines Lebens auch Werke wie Adam und Eva sowie eine Germania hinterlassen soll. Als Student an der Dresdner Kunstakademie wird er vor allem durch Ernst Hähnel geprägt werden. Sein wohl aussergewöhnlichstes Werk ist wohl der Huckup, die Plastik einer alten Sagengestalt an der Fußgängerzone in Hildesheim.

 

Wenig bekannt sind anscheinend seine Auftragswerke für Grabmäler, jedenfalls ist mir bisher keine Nennung untergekommen, auch wenn mir der Name nun ganz direkt als Signatur begegnet ist. Auch hier gilt also: Es gibt noch viel zu entdecken!


Das Familiengrab des Königl. Sächs. Kommerzienrat Carl Ernst Otto Weigang (1832-1914)

Taucherfriedhof Bautzen Grabmal Weigang Bild: Susann Wuschko

Taucherfriedhof Bautzen

 

Fertigstellung wohl nach 1914, Signatur an Figur C. Roeder.

 

Carl Ernst Otto Weigang wurde in Bautzen vor allem als Besitzer einer Chromolithographischen Kunstanstalt und Großdruckerei bekannt. Wenige Jahre vor seinem Tod wurde er zum maßgeblichen Stifter des Neubaus für das Museumsgebäude der Stadt Bautzen. Unter anderem war das neue Gebäude auch Sitz der naturwissenschaftlichen Gesellschaft "Isis" (wohl einem Zweig der Hauptorganisation in Dresden?), der viele namhafte Dresdner Bürger angehörten. 

 

Otto Weigang entstammte einer Familiendynastie, die bis in das 17. Jh. zurückgeht. Anfangs als Zinngießer tätig wurden die Weygangs eine der führenden Druckereifamilien der Oberlausitz, allerdings wurde ihr Name wohl durch einen Amtsstubenfehler in Bautzen im 18. Jh. zu Weigang. Otto wuchs mit 2 Geschwistern noch in ärmlichen Verhältnissen auf, doch im Laufe seines Lebens schaffte er es bis zum Kommerzienrat und Ritter p.p. sowie Ehrenbürger der Stadt Bautzen. 

 

Mit der Erfindung einer dampfbetriebenen Handschnellpresse sollte seine Karriere beginnen, im Jahre 1882 zog die Familie in die neue Weigangsche Villa an der Wallstrasse (zusammen mit dem Bruder Eduard, der als Erbauer der Villa gilt). Das neue, größere Firmengelände an der Löbauer Strasse, gleich bei der Taucherkirche, besteht bis heute. Seinen Alterssitz erwählte sich Otto Weigang allerdings in Dresden in der bekannten Villa Weigang, die heute als eines der schönsten Standesämter Deutschlands gilt und in Blasewitz zu finden ist.

 

Bei all dem Erfolg vergaßen die Weigangs nie, woher sie kamen und gaben gern- ohne die Familie wäre das Stadtmuseum Bautzen heute um einige Objekte (ca. 1000!) ärmer, vor allem gilt Otto als Begründer der heutigen Gemäldesammlung, denn er gab seine eigene Sammlung 1902 an das Museum und zahlte auch schon für den ersten Bau des Museums die beträchtliche Summe von 100.000 Reichsmark. Sein Bruder Eduard galt als Stifter vor allem im Bereich des Schulwesens. Er unterstützte unter anderem die Versorgung armer Kinder in den Wintermonaten und ermöglichte bedürftigen Schülern den Besuch der Handelsschule.

 

Auch hier gilt: die letzte Ruhe fand der Begründer direkt inmitten seines Arbeits- und (ehemaligen) Lebensumfeldes. Nach seinem Tod war seine Frau zurück nach Bautzen gezogen, und so sind die Weigangs letztendlich in Dresden nur durch den kurzen Alterswohnsitz bekannt, in der Oberlausitz allerdings waren sie eine der prägensten Mäzenatenfamilien ihrer Zeit und prägen die Geschichte Bautzen indirekt bis heute.

Taucherfriedhof Bautzen Grabmal Weigang Figur von Roeder Bild: Susann Wuschko

 

Ein weiteres Familiengrab Weigang (des Bruders Eduard) findet sich ebenfalls auf dem Taucherfriedhof.


Da hat der Druckereibesitzer aber gut kopiert...

 

Hoppla!- ich wusste doch, ich hatte den Namen Roeder schon einmal in Dresden als Signatur gelesen... allerdings war mir nicht mehr bewusst, das es sich nicht nur um die gleiche Figur handelt, sondern das von den Weigangs wohl gleich das ganze Grabmal kopiert wurde! Da das Grab auf dem Johannisfriedhof wohl mindestens 10 Jahre eher entstand, ist wohl davon auszugehen, das sich Weigangs hier schon zu Lebzeiten inspirieren ließen oder die Familie Kliemt sogar kannten (?).

 

Man kann sich die Anekdote fast vorstellen- man bezieht den Alterssitz in Blasewitz nach 1895, und Sonntags geht es zum Spaziergang entlang der "Millionenmeilen" auf dem Johannisfriedhof. Und eines Tages ist da dieses neue Grab der Familie Kliemt und es gefällt so gut, das man den gleichen Künstler und die gleiche ausführende Firma mit dem eigenen Monument für die Ewigkeit betraut. Bautzen ist weit weg und in dieser Zeit fiel eine Kopie wohl niemandem gleich auf... ist allerdings heutzutage interessant, wenn man die "Einzigartigkeit" der damaligen Prunkgräber damit enttarnen kann und klar wird, das dies auch "nur" Katalogware war!

 

Die Übereinstimmung der beiden Grabmäler könnte somit aber auch ein Beweis dafür sein, wie bedeutend der Johannisfriedhof in dieser Zeit wirklich war- und wie er andere Friedhöfe der Region beeinflusste. Er galt zu seiner Anfangszeit sogar als schönster Friedhof im deutschen Raum- vor Ohlsdorf! Die Entstehungsjahre ähnlicher Grabmäler könnten also noch sehr aufschlussreich werden für weitere Forschungen.

 

Grabmal Kliemt Johannisfriedhof Dresden Bild: Susann Wuschko

Johannisfriedhof Dresden

 

Grabmal Familie Kliemt

 

Fertigstellung nach 1900