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Von fleißigen Bienchen, entschwebenden Seelen und abstrusen Heilmitteln


Honigmond und Bienenweg- ein Tierchen mit langer Geschichte

Bild: Susann Wuschko

Das Honig die "Speise der Götter" ist überrascht wohl angesichts des Arbeitsaufwandes, den die fleißigen Bienchen betreiben, nicht wirklich. Und das die wunderbare Süße schon bei den alten Ägyptern beliebt war, klingt sehr vertraut. 

 

Der Hochzeitstrank der Babylonier war übrigens eine Art Honigwein (wohl aus Milch und Honig), der dem Bräutigam weitere 4 Wochen nach der Hochzeit von seiten der Brauteltern gereicht werden musste, um ihm diese Zeit zu versüßen- da dies also eine Mondphase lang ging, entstand daraus der Zeitabschnitt eines "Honigmondes"- den jung Vermählte heute ganz gern auf Reisen verbringen und angliziert als "Honeymoon" bezeichnen. Die Verabreichung von reichlich Met zum großen (Hochzeits-)fest ist also eine geschichtliche Tat mit ernstem Hintergrund, nicht nur bei den Babyloniern, sondern nachweislich überall in unseren Kulturkreisen...

 

Bei den Germanen sah es mit den Deutungen der Bienen und ihrer Welt etwas anders aus- der "Bienenweg" ist die Luft als Aufenthaltsort der toten Seelen. Auch bei den Griechen sind die Bienen für den Seelentransfer zwischen den Welten zuständig, die Seherinnen von Delphi wurden sogar als Melissen bezeichnet, was nichts anderes als "Bienen" heißt. 

 

Christliches Symbol und Grabschmuck des Barock

Biene als Grabschmuck Bild: Susann Wuschko
Eine Bienendarstellung auf einem Grabmal aus dem 18. Jh. auf dem Leubnitzer Friedhof

 

Das Sterben der Bienen am Ende des Jahres und der Neuanfang im Stock im nächsten Jahr ließen schon früh Gedanken an die Wiederauferstehung der Bienen aufkommen, und so wurde die Biene im christlichen Glauben letztendlich zum "Herrgottsvogel".

 

Was in der Antike bereits beginnt und schon dort auf Grabmälern zu finden ist- die Darstellung der Biene als Symbol der entschwebenden Seele- wird vor allem im Barock zum typischen Grabschmuck. Der sprichwörtliche Fleiß der Bienen, der gut funktionierende Stock als Gemeinschaft sowie der Gedanke eines Königs, der dies alles steuert (erst ziemlich spät wird erkannt, das es eigentlich eine Königin ist...) sowie das Rätsel um die Vermehrung der Bienen und die Honigherstellung werden diese Tiere für lange Zeit stark mystifizieren. 

 

Biene oder Schmetterling?

Schmetterling als Grabschmuck Bild: Susann Wuschko
Eine Schmetterlingsdarstellung auf einem Grab auf dem Johannisfriedhof (nach 1900)

Oftmals erscheint dieses Symbol der aufsteigenden Seele heute auch als Schmetterling und wird dann sehr gern als Entwicklung aus der Raupe über die Puppe zum schönen Schmetterling gedeutet.

 

Dies mag durchaus sein, allerdings erscheint mir diese Deutung doch modern und passt nicht zu den älteren Darstellungen der Antike, wo es durchaus auch Motten als Nachtfalter für die tote Seele gibt, die aufsteigt.

Die Darstellung eines Schmetterlings steht für Aufstieg ins Lichte und Helle- die Entwicklung ist an diesem Punkt abgeschlossen. Die Biene stirbt und wird in der Symbolik wiedergeboren- als Biene. Das sind verschiedene Denkmuster, die an sich beide existent sein können. Allerdings sollte man vorsichtig damit sein, auf einem Barocken Grabmal  einen "Falter" als Schmetterling zu deuten- es könnte eher eine Motte oder eine sehr abstrakte Biene sein!

 

Der schöne Schmetterling passt nicht zum morbiden "Memento Mori" mit all seinen Grabsprüchen von Verwesung und toten Gliedern, während die Biene sehr wohl zum barocken Streben nach Perfektion passt, die eben endet und dann, in einer wieder erstandenen Form dem GLEICHEN Ideal (Herrschaft des Einzelnen über ein Volk) entspricht. Die Arbeiterbiene strebt nicht nach der Perfektion des Schmetterlings! Das tut das 19. Jahrhundert, wenn der Bürgerliche dem Adligen nacheifert.  

 

Der Honig und der Tod- die etwas andere Seite des süßen (Ab)Lebens...

Bild: Susann Wuschko

Honig als Heilmittel ist uns allen bekannt- in heißer Milch bei Husten, auf den spröden Lippen oder als antibakterielles Mittel. Die folgende Version für den Einsatz des Honigs als Basis für ein "Heilmittel" ist nichts für schwache Nerven, ich warne Sie vor...(es war doch aber auch klar, das ich einen Bezug zur medizinisch-pathologischen Seite finde, oder?)

 

Alexander der Große steht in einer Reihe von Menschen, die einer ganz speziellen Mumifikation unterzogen wurden: der Mellifikation. Dabei wird die konservierende Eigenschaft des Honigs genutzt um genau das mit der Leiche zu tun- sie zu erhalten. Dies klingt erstmal ungewöhnlich und so manch einer mag sich das schon nicht vorstellen- die chinesische Medizin und auch der arabische Raum gingen in der Geschichte anscheinend noch viel weiter:

 

Der durch den Honig konservierte Körper selbst galt als Heilmittel- für Andere. Im "Buch heilender Kräuter" des chinesischen Apothekers Li Shi Zhen findet sich dann auch die Beschreibung dessen, wie ältere Araber sich bereits zu Lebzeiten (!!!) darauf vorbereiten, ihren eigenen Körper als Heilmittel für andere "vorzubereiten". Bäder in Honig und letztendlich die völlige Ernährung durch Honig sowie der daraus resultierende Tod sind die Vorstufe für eine mazerierte Leiche, die dann, nach ca. 100 Jahren in einem mit Honig ausgefüllten Steinsarg, selbst zu einer Medizin gegen Knochenbrüche geworden ist.

 

Aufgrund dieser sehr aufwendigen Herstellung war dies dann wohl ein äußerst seltenes Heilmittel. Wenn es denn wirklich existierte... einen wirklichen Anwendungsnachweis hat man bisher nicht gefunden. Hoffen wir, das es nur eine Legende ist und bedanken wir uns bei der modernen Medizin dafür, das es den guten alten Gips gegen Knochenbrüche gibt...bei aller Liebe zu natürlichen Heilmitteln!


Das ungewöhnliche Grabmal - Wespen für einen Ingenieur?

Das wohl ungewöhnlichste Grabmal mit Bienen- Bezug fand ich bisher auf dem Äußeren Plauenschen Frieshof. Für den Ingenieur Hans Adam und seine Frau wurde ein Grab mit einer ganzen Bandbreite an Naturmotiven angelegt. Er verstarb 1947 und leider konnte ich bisher keine weiteren Informationen finden. In der Mitte des Grabsteins ist ein Bienenstock zu sehen, darum sind in gleichmäßigem Kreis 8 "Bienen" angeordnet, die sich bei genauerer Betrachtung allerdings als Wespen entpuppen.

 

Desweiteren sind unterhalb verschiedene Kakteen-Arten wie in einem botanischen Garten abgebildet, ein kleinerer Stein auf der Seite (nicht im Bild) zeigt exotische Fische. Es scheint eine Geschichte zu dieser Darstellung zu geben- vielleicht war der Herr Ingenieur Hobby-Imker? Aber warum dann Wespen, die bekanntlich nicht gerade der Freund der Bienen sind? Oder gibt es eine Symbolik mit der Zahl 8, die wir heute nicht verstehen?

 

Ein anderer Gedanke wäre natürlich, das dieser Ingenieur für einen botanischen Garten gewirkt hat oder etwas Technisches entwickelte, das sich auf die Konstruktionsweise eines Bienenstocks bezieht. All das sind nur Spekulationen, vielleicht kennen Sie aber die Geschichte dahinter und verraten Sie uns?