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"...Dieser junge Künstler erregt große Erwartung..." - Der Böhmisch-Sächsische Bildhauer Franz Pettrich


Zitat aus dem Aufsatz "Gedanken und Bemerkungen über die dießjährige Gemählde-Ausstellung der churfürstlichen Academie der Malerey zu Dresden", in: Neue Miscellen Artistischen Inhalts von J. G. Meusel, Heft 3 von 1794

  

"... Herr Bötterich, Bildhauer- Theuseus hebt auf Befehl seiner Mutter einen großen Stein empor, um die darunter liegenden Schuhe und Waffen seines Vaters hervorzunehmen, und ihm zu bringen. Eine sehr schöne frey stehende Gruppe in Thon bossiert, 1 Elle hoch. Die Figur des Theseus war vorzüglich schön, sowohl gestellt, als mit Verstand und Fleiß ausgeführt. Die Anatomie war in allen Theilen richtig beobachtet, und gut mit der lebendigen Natur verbunden. Das ganze ist in einem guten Styl gearbeitet. Herr Bötterich giebt die gegründete Hoffnung, daß er mit der Zeit einer unserer besten Bildhauer werden wird."


Der Bildhauer Franz Pettrich tauchte anfangs nur im Zusammenhang mit dem Katholischen Friedhof in Dresden Friedrichstadt auf. Der Eliasfriedhof kam dazu, dann noch ein einzelnes Grabmal auf dem Trinitatisfriedhof. Der Umfang schien noch überschaubar zu sein- vielleicht 10 Grabmäler in Dresden, einzelne Stücke in der Oberlausitz. Kein Johannes Schilling mit seinen vielen Werken in der Innenstadt- eigentlich war mir Pettrich da lange Zeit nicht untergekommen, und so unterschätzte ich ihn wohl ein wenig. 

 

Auf dem Trödelmarkt passierte es dann. Da lag plötzlich ein Buch, das meine volle Aufmerksamkeit fand: Franz und Ferdinand Pettrich. Autor: Hans Geller. Es war mir so noch nie aufgefallen, schließlich ist die Literatur zu dem Gesamtthema Friedhofskultur auch eher sehr verstreut und man muss sehr viel querlesen, um einzelne Details zu finden (Es wäre wohl an der Zeit, das sich jemand findet, der ein Buch zum Wirken der Dresdner Bildhauer speziell auf Friedhöfen schreibt?). Das ich bereits eine Ausstellung mit den Werken des Sohnes gesehen habe und davin begeistert war, ist dann wohl nur noch die Bestätigung, sich mit diesen Herren mal näher zu beschäftigen.

 

Beim Überblicken der Werksliste erfolgte der gleiche Effekt wie bei der Bildhauerfamilie Schwarz. Erstmal begreifen, welche Ausmaße dies wirklich hat. Herausfinden, welche Werke es noch gibt. Wo befinden sich die Skupturen genau- und das klingt leichter als gedacht. Pettrich wirkte wie die Brüder Schwarz über unsere heutigen Grenzen hinweg- und das nochmal 80 Jahre früher, nämlich zwischen 1794 und 1844. In einer Zeit nach dem 7jährigen Krieg und über die Napoleonischen Kriege hinweg. Dieser Umstand, das er in eine Welt des Umbruchs nach dem Scheitern Sachsens und der damit verbundenen Sparpolitik im Sinne der Bildhauerischen Kunst im öffentlichen Bereich geriet, war wohl ein Glücksfall für die Sächsische und Böhmische Grabmalskultur. 

 

Die Werke dieses Meisters des Klassizismus, der mit seiner Werkstatt durchaus auch neue Wege wagte und dessen Nachlass teils bis nach Kopenhagen verstreut ist, sollen hier nach und nach erforscht und dargestellt werden. Zu finden sind sie alle auch in Einzelnachweisen- mal auf tschechischen Webseiten, dann wieder in den einschlägigen Lexika-Einträgen. Oft sind die Angaben ungenau- ein Ort in Tschechien kann 5 und mehr Kirchen mit ehemaligen Friedhöfen haben, Bilder dazu sind absolute Mangelware, meist müssen Intuition und Querdenken helfen, um den genauen Standort zu bestimmen- und dann besteht immer die Frage, ob die Skulptur derzeit noch existiert oder nach Jahrzehnten der Vernachlässigung im Sozialismus und heutigen fehlenden Mitteln noch ermittelbar ist. Von den sprachlichen Hürden ganz zu schweigen, denn nicht immer findet sich der alte deutsche Name heute im tschechischen Sprachgebrauch- dies ist wohl mit ein Grund dafür, warum es für Franz Pettrich gefühlt 2 Welten gibt, die bisher sehr gesondert behandelt werden.

 

Die Auflistung der Werke ist somit kein Endergebnis, sondern nur der Beginn einer Forschungsreise. Ich freue mich, wenn Sie mich unterstützen möchten und mir Hinweise senden, wo ich mehr zu den Werken erfahren könnte oder es noch Unentdecktes gibt, das mir bisher entgangen ist!

 


Alter Katholischer Friedhof

 

Grabmal Giovanni Battista Casanova

 

Fertigstellung: 1795

 

Grabmal für beide verstorbenen Ehefrauen Pettrichs- Caroline und Juliane- (sowie Grabplatten davor für ihn selbst und seinen Schwiegersohn)

 

Fertigstellung: 1805 als Gipsmodell auf Akademieausstellung, 1809 wohl erst Ausführung)

 

Grabmal für den Kaufmann Karl Anton Pusinelli

 

Fertigstellung: 1813

 

Stele mit verziertem Aufsatz mit Rollenkissen

 

Mehr zu dem Grabmal und seiner sehr interessanten Inschrift finden Sie hier...

 

Grabmal für Bischof Johann Alois Schneider

 

Fertigstellung: 1819

 

 

 

 

Grabmal für Frau von Dressler und Scharffenstein

 

Fertigstellung: 1820

 

knieende weibliche Gestalt mit Lilien in den Händen 

 

 

Einen Artikel zum Symbol der Lilie und mit Bezug auf diese Figur finden Sie hier.

 

Grabmal für Waleria Maria Bielinski

 

Fertigstellung: 1831

 

Sarkophag mit einem auf dem Kreuz liegenden Kind

 

Grabmal für Marianne Lincke geb. Dorsch

 

Fertigstellung: 1813

 

hoher rechteckiger Stein mit Aufsatz und kleinem Relief eines Tränenkrügleins

 

Grab für Kriegsminister Zinzendorf ?


Eliasfriedhof

 

Grab von Johann Gottlieb Naumann

 

Grabmal für Johann Gottlieb Höck

 

Fertigstellung: 1810

 

überlebensgroße Engelfigur, über eine Urne gebeugt

 

Grabmal für den Fleischermeister Jäppelt

 

Fertigstellung. 1826

 

Stele mit Flachrelief der Hoffnung, auf Anker gestützte Frauengestalt

mindestens 2 Wiederholungen waren vorhanden, einmal bei Bildhauer Ziegler (1937 Nachweis), 2. heute noch in stark verwittertem Zustand an linker Wand des Torhäuschens im Alten Katholischen Friedhof (?), mehrere variierte Nachbildungen auf Dresdner Friedhöfen!


Quelle: Deutsche Fotothek (Foto verlinkt)
Quelle: Deutsche Fotothek (Foto verlinkt)

ehemals Innerer Neustädter Friedhof, derzeit wohl beschädigt eingelagert 

 

Grabmal für den Generalmajor Georg Gottfried von Christiani 

 

Fertigstellung: 1805

 

Das Säulenmonument mit Helm und Rundrelief ist etwa 3,60 m hoch und aus Sandstein geschaffen. Es galt als eines der wichtigsten Werke des Klassizismus und wurde durch Stiche bekannt sowie in der Sonderschrift: "Darstellung und Erläuterung des Denkmals auf den Chursächsischen Generalmajor Herrn Georg Gottfried von Christiani." beschrieben. Es wird im Jahre 1962 im zerstörten Palais des Großen Gartens in beschädigtem Zustand (brandrissig) erwähnt, ein weiterer Hinweis führt zum Lapidarium der Zionskirche.


 Innerer Neustädter Friedhof

Grabmal für Julie Vogel (1. Frau Carl Christian Vogel von Vogelsteins)     


 

Trinitatisfriedhof

 

Grabmal Friedrich Anton Serre


 

Pirna Stadtmuseum

 

Grabmal für die Familie des Töpfermeisters Leyhn

 

Fertigstellung: 1819/20

 

Todesengel mit gesenkter Fackel, der auf drei liegende Gestalten herabblickt


 

Donatsfriedhof Freiberg

 

Grabmal für Johann Christian Hammerdörffer

 

Fertigstellung. 1811

 

Sarkophag mit Marmorrelief in antiker Darstellung

 

Grüner Friedhof Freiberger Dom (in Kreuzgang seit 2014)

 

Grabmal für Mineralogen Abraham Gottlob Werner

 

Fertigstellung: 1817

 

Sandstein mit Marmorplatte (Saniert 2014)


 

Friedhof Annaberg im Erzgebirge

 

Grabmal für Barbara Uttmann

 

Fertigstellung: 1834

 

Vorn Figur der klöppelnden Barbaras, auf der Rückseite allegorische Darstellung des Spitzenhandels

 

 


Franz Pettrich im Dreiländereck (Polen, Tschechien, Lausitz)

 

Friedhof Großschönau bei Zittau

 

Grabmal für Johann Eleazar Schenau (Zeissig)

 

Fertigstellung: 1808, ehemals Johannisfriedhof Dresden, bei Säkularisierung desselben wurden Grabmal und Gebeine in seine Heimat in der Oberlausitz überführt (1854).

 

Friedhof Schirgiswalde

 

Grabmal für den Handelsmann Joseph Raemisch und seine Tochter Veronika

 

Fertigstellung: 1809

 

Flachrelief zwischen Ionischen Säulen, ein von einer jugendlichen Mädchengestalt begleiteter Pilger, der von Genien empfangen wird

 

Weiteres Grabmal: für Adam Sieber (von 1802/05, nicht mehr erhalten)

 

 

 

Friedhof Schirgiswalde

 

Grabmal für Maria Magdalena Raemisch geb. Menzel

 

Fertigstellung: 1817

 

Sandstein und Eisenguss, in neugotischem Stil, wahrscheinlich von einem Schüler aus seiner Werkstatt?


 

Getsemanská zahrada - Lobendava im Schluckenauer Zipfel

 

5 Ölbergstatuen bei der Wallfahrtskapelle von Annaberg (bei dt. Hainspach)


Friedhof der Kirche der Hl. Maria Magdalena in Krásná Lípa (kostela svaté Máří Magdalény v Krásné Lípě)

 

Grabmal für den Handelsmann Zacharias Kögler

 

Fertigstellung 1808

 

 Auf einer Sandsteinstele stehende Urne aus weißem Marmor mit Flachrelief

 

Grabmal für Theresia Kögler

 

Fertigstellung: 1821

 

Hoher Sockel, den eine mit einem Tuch verhangene Urne ziert, Sandstein

 

Grabmal für Antonia Rösler

 

Fertigstellung: 1811

 

kleiner Todesengel mit gesenkter Fackel

 

Grabmal für Anna Maria May geb. Rösler

 

Fertigstellung: 1814

 

Grabmal für Joseph May

 

Fertigstellung: 1821

 

 

 

 

 

Grabmal für Veronika Römisch

 

Fertigstellung: 1814

 

Sarkophag mit liegender Frauengestalt, die ein Kind im Arm hält

 

Kruzifix aus Sandstein mit vergoldetem Korpus an der Freitreppe zur Kirche

 

Fertigstellung: 1818

 

Grabmal für Apollonia Michel

 

Fertigstellung: ?

 

Grabmal für Adalbert Wünsche

 

Fertigstellung: ?

 

Sandstein und Marmor


Friedhof der Nikolaikirche in Mikulášovice

 

Grabmal des Ignaz Rösler

 

Fertigstellung: nach 1837

 

Grabmal der Maria Anna Römisch

 

Fertigstellung: nach 1821

 

 

 

 

Grabmal des Zacharias Römisch

 

Fertigstellung: nach 1799

 

Grabmal der Maria Wentzel

 

 


ehemaliger Friedhof der Kirche St. Bartholomäus in Velký Šenov (Großschönau)

 

7 Grabmäler von Pettrich (lt. tschech. Angaben), darunter folgende:

 

Grabmal für Philipp Jakob Menzel

Grabmal für Karl Ludwig Menzel

Grabmal für Johann Joseph Hille

Grabmal für Fam. Jäger mit Schale

 


 

Felsenburg in Malá Skála - Vranov pantheon

 

"Pantheon" der tschechischen Geschichte in der größten Felsenburg des Landes

 

Fertigstellung: 1814

 

Wahrscheinlich stammten Büsten sowie die Schauarchitektur (neogotisch) von Pettrich?


 

Jelenia Góra -Hirschberg, Friedhof der Gnadenkirche

 

Grabmal für den Kaufmann Frantz

 

Fertigstellung um 1802/04

 

an einem Altar trauernde weibliche Gestalt, Marmor, lebensgroß

 

Pfarrkirche St. Simon und Juda in Hainspach (Lipová)

 

Hochaltar „Christus am Kreuz mit den beiden betenden Engeln“ (1839) sowie drei Nebenaltäre und die Kanzel

 

Waldsteinische Totenkapelle in Horny Litvinov

 

Fertigstellung: 1829

 

Bau und Austattung mit Reliefgrabstein von Pettrich

 

 

Friedhof an der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Osseg (Osek)

 

Grabdenkmal des Prinzen Joseph Xavier Karl Raphael Philipp Benno von Sachsen bzw. von der Lausitz (1767–1802), genannt Chevalier de Saxe

 

 

Třebenice (Geburtsort Pettrichs)

 

Kruzifix in der Gottesackerkapelle

wahrscheinlich auch Grabmale 


Werke Franz Pettrichs im Stadtbild von Dresden:

  • Marstall am Zwingerteich: Relief des antiken Zweigespanns im Giebelbereich sowie weiterer Gebäudeschmuck, 1795
  • Schinkelwache Theaterplatz: Giebelfigur des Kriegsgott Mars (zum Theaterplatz hin) von 1834
  • Marcolini-Palais Bautzner Strasse: Zwei Hochreliefs in Giebeln der Seitengebäude 1795/96. Ruhender Schnitter mit Hund und liegende Kuh mit Kalb
  • Alte Weinpresse Wachwitz: Tanzende Kinder Fries (Kopie heute, Original aus Marmor von 1799 verschollen)
  • Trachenberge: Hauptmann-Hirsch-Denkmal (Kopie) von 1823, antiker Bronzehelm auf Granitsockel, nach Moreau-Denkmal gestaltet
  • weitere Werke, so z.B. für das Vitzthumsche Gymnasium, wurden 1945 zerstört

 

vermutlich von Franz Pettrich geschaffene Werke (Autorschaft nicht klar erwiesen oder auch fraglich):

 

Nicht alles, was wie Pettrich aussieht, muss auch von ihm stammen. Manchmal wurde ein Grabmal für Jahrzehnte ihm zugeordnet, bis es dann doch einen kleinen Hinweis auf den wahren Urheber gab- so geschehen z. B. bei dieser Skulptur. Es lohnt sich also, noch einmal genau hinzusehen und vielleicht finden sich daraufhin sogar noch mehr Werke von ihm oder aus seiner Werkstatt.

  • Helfenberg bei Dresden, altes Herrenhaus: Drei Giebelreliefs von 1796 (?)
  • Gedenkstein für Jakob Graf von Hohenthal im Schloßpark von Hohenprießnitz bei Eilenburg von 1802
  • Weinberg Wachwitz Bedientenhaus 2 Flachreliefs "Ackerbau" und "Gartenkunst" von 1805 (? eventl. aber von Sohn geschaffen)
  • evangelische Kirche Oberneukirch: Büste des Gottlob Erasmus von Huldenberg, Eisenguß, weiß überstrichen von 1817
  • Hrádek nad Nisou Friedhof: lt. Walter Hentschel ein Grabmal von 1822 von Pettrich dort 
  • Friedhof Riesa, alter Teil: Grabmal für Schiffsherrn J.G. Hanns (wird als Handschrift Pettrichs gedeutet)
  • Alter Katholischer Friedhof Dresden: Grabmal für Friederike Louise Marquise Piatti geb. von Erdmannsdorf, auf gleicher Familiengrabstätte ein Sarkophag für verschiedene Familienmitglieder Piatti, wahrscheinlich auch Pettrich
  • Alter Katholischer Friedhof: Grabmal der Jadwiga This von 1842. Auf hohem Sockel stehende weibliche Figur, die Kreuz hält