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Pressetermin Friedhof: Das Immaterielle Kulturerbe bekommt sein Gesicht

Ab heute nicht nur in Dresden zu finden: Das Schild zur Kennzeichnung der Kulturerbestätte "Friedhofskultur"
Ab heute nicht nur in Dresden zu finden: Das Schild zur Kennzeichnung der Kulturerbestätte "Friedhofskultur"

Endlich ist es soweit- nun sieht man auch in der Öffentlichkeit, was seit März schon amtlich ist- die Friedhofskultur ist Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Pünktlich vor dem "Tag des Friedhofs" am 20. September luden die Dresdner Friedhofsverwalter, die Stadtverwaltung Dresden und die Ev.-Lutherische Landeskirche Sachsen zum Pressetermin ein, dem ich natürlich gern folgte.

 

Der Ort des Geschehens war der stillgelegte Eliasfriedhof, welcher einst als Pestfriedhof im Jahre 1680 notgedrungen entstanden war, hatte die Epidemie doch ca. ein Drittel der Dresdner Bevölkerung das Leben gekostet und es mangelte an Begräbnisplätzen.

 

Nach der Stilllegung des "Friedhofs der Reichen", dem Frauenkirchhof an der Stelle des heutigen Neumarktes in den 1720er Jahren, wichen auch mehr und mehr gut betuchte Bürger mitsamt ihrer Familiengrüfte auf den Eliasfriedhof aus. Hier entstanden daraufhin die heute wieder imposanten Grufthäuser, in denen nicht nur die Begräbnisstätte an sich lag, sondern auch Vitrinen standen, in denen zum Beispiel die Totenkronen ausgestellt waren. Hier zeigte das reiche Dresden, was es sich auch im Tode leisten konnte. Namhafte Bildhauer wie Franz Pettrich hinterließen hier ihre Spuren, berühmte Dresdner wie die Gustel von Blasewitz liegen hier begraben.

 

Heute gilt der Eliasfriedhof als ältester in seiner Form erhaltener Friedhof Dresdens- durch die Schließung im Jahre 1876 entstand eine regelrechte Geschichtsblase der Sepulkralkultur nur wenige hundert Meter von den Sehenswürdigkeiten der historischen Altstadt entfernt. Die Jahre waren nicht immer gönnerhaft, Vandalismus und Verfall prägten lange Zeit das Bild. Erst durch die Gründung des Fördervereins im Jahre 1998 konnte das langsame Verschwinden aufgehalten werden. Seit dem Jahre 2015 standen endlich dann auch Fördermittel des Bundes zur Verfügung, die teils zum Bäume fällen eingesetzt werden mussten... denn es drohte Gefahr von oben und Führungen waren kaum mehr denkbar.

 

Frau Teichmann macht neugierig...

Nachdem Frau Teichmann, ihres Zeichens Dienststellenleiterin des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes, kurz in die Geschichte des Eliasfriedhofes einführte und die Funktionen der Friedhöfe im heutigen Stadtleben im Zusammenhang mit dem nun offiziell erkennbaren Titel des immateriellen Kulturerbes vermittelte, ging es für eine kleine "Führung" zu ausgewählten Grabmälern.  

 

Und schon folgt eine dieser Geschichten, die gerade das ausmachen, was mich so an der Friedhofsforschung fesselt: Das Grabmal von Leibarzt Pohl hatte nur noch 3 Widderköpfe- bis ein aufmerksamer Kunstfreund bei einer aktuellen Auktion ganz genau hinsah und den 4. Kopf dort wiedererkannte. Es hat geklappt-  das Grabmal ist wieder vollständig- soweit von mir die kurze Zusammenfassung, Frau Teichmann erklärte es viel besser...(Welche Bedeutung die Widder haben muss ich doch glatt nochmal nachforschen und Ihnen dann mitteilen.)

 

Oder aber das Grabmal mit dem kopflosen Engel von Franz Pettrich, der nun durch die Hilfe privater Spender bald wieder in die Welt hinaus schauen kann- alte Fotos machten es möglich, eine Kopie anzufertigen; das Grabmal des General Lichtenegger, dessen Sockel im Boden fast versunken war und bei dessen Freilegung die Hand der Frauengestalt wieder auftauchte, die nun auch wieder einen Kopf erhielt... scheinbar kleine Erfolge, die ein wenig Hoffnung machen, das doch noch einiges an Kulturgut zu retten ist. 

 

Es geht immer weiter- nicht nur auf dem Eliasfriedhof, der in Zukunft auch wieder 4 ausgelagerte Figuren in seinen wiederaufgebauten Grufthäusern aufnehmen wird. Die Corona-Auswirkungen waren auch für die Friedhöfe spürbar. Und das gar nicht immer nur negativ, wie man es im ersten Moment und in logischer Konsequenz vermuten würde! Mehr Menschen suchten die Innere Ruhe, fanden Freiraum, wo der öffentliche Park manchmal schon eher Volksfestatmosphäre annahm. Hier, auf den Friedhöfen, kommen Menschen zusammen und es herrscht mehr Empathie als dies in einer Einkaufszone der Fall ist. Das scheint also nicht nur eine Beobachtung von mir zu sein in diesem verrückten Jahr 2020- in Gesprächen mit mehreren Teilnehmern, auch in der Darstellung Frau Teichmanns wurde es klar: Der Friedhof ist so viel mehr für eine Stadt als die bloße Beerdigungsstätte, die viele fürchten!

Ein Blick in die Zukunft....

Um mehr Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen gibt es nun auch die offizielle Broschüre sowie einen Flyer, herausgegeben vom Kuratorium immaterielles Erbe Friedhofskultur e.V.

 

Desweiteren möchte ich Ihnen den "Tag des offenen Friedhofs" am kommenden Sonntag, dem 20. September 2020, ans Herz legen. 6 Friedhöfe Dresdens nehmen mit kleinen, eingeschränkten Programmen aufgrund der derzeitigen Auflagen, teil.

 

Darunter der Nordfriedhof mit der aktuellen Ausstellung des DenkMalFort e. V. "Sieben Schubkarren- sind wir nicht alle Sternenstaub?" und einer Führung von Frau Heike Richter um 14 Uhr sowie der Friedhof Striesen mit seinem Programm. (Führung mit Frau Heike Hoffmann um 11 Uhr).

 

Ich habe mich heute vor allem über die netten Gespräche mit den verschiedenen Vertretern ihrer Objekte und Verwaltungsbereiche gefreut und hoffe auf eine zukünftige Zusammenarbeit, bei der ich ein paar neue, kleine Erkenntnisse beisteuern kann! Die positiven Reaktionen und die herzliche Aufnahme, die ich als "Neue" in dem Bereich immer wieder erfahren darf zeigen, das es durchaus einen Sinn macht, diesen Weg einzuschlagen.