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Das Rosenmädchen von Heinrich Maria Waderé - Eisenbahngeschichte trifft auf WMF-Verkaufsschlager


Rosenstreuende Grabmal Leipzig Bild: Susann Wuschko
Die Rosenstreuende auf dem Südfriedhof in Leipzig- wohl das bekannteste Exemplar an exponierter Stelle (Grab Heinicke)

Kennen Sie die junge Dame?

 

Natürlich! Wenn Sie sich so wie ich für Friedhofsskulpturen begeistern, dann sind Sie auf diese EINZIGARTIGE, wunderschöne Rosenstreuende gestoßen und haben wohl auch gedacht, das diese etwas ganz Besonderes ist? Oder Sie haben so wie ich versucht, mehr darüber herauszufinden und kommen einfach nicht weiter in der Forschung, der Weg endet meist bei der Erwähnung, das die Figur in Bronze 1907 erstmals geschaffen wurde. Nur mit viel Glück findet man dann weitere Exemplare und stößt auf den Hinweis, das dies eine WMF-Figur ist, die von Heinrich Waderé stammt.

 

Ich möchte an dieser Stelle versuchen, die Geschichte der "Rosa Mystica" in ihrer modernen, Galvanoplastischen Version aufzudecken- und Ihnen zeigen, wie wundervoll dieses "Massenprodukt" trotz allem ist- denn das ist sie- sie war eine Katalogfigur der WMF und gliedert sich damit in die vielen Engel ein, von denen ich hier schon berichtet habe.

Der Künstler Heinrich Waderé aus dem Elsass

Bronzefigur bei der Münchner Jahresausstellung 1907  (Bild verlinkt zu Quelle)
Bronzefigur bei der Münchner Jahresausstellung 1907 (Bild verlinkt zu Quelle)

Am 2. Juli 1865 wird Heinrich (Maria) Wadere in Colmar als Sohn eines Stuckarbeiters und Hausmeisters der Tabakmanufaktur  geboren. Er wird in einer Schnitzerwerkstatt lernen und danach durch ein Stipendium die Chance bekommen, an der Akademie der schönen Künste in München sein Skulpturstudium zu vertiefen, wo er zum Schüler von Prof. Syrius Eberle wird. Dieser ist vor allem für seine Werke für den "Märchenkönig", Ludwig II. sowie seine religiöse Skulptur bekannt. Ein weiterer Schüler Eberles ist übrigens der auch in Dresden bekannte Georg Wrba (Marienbrunnen in Dresden).

 

Ab 1891 wird Waderé in München fest als Künstler etabliert sein und erschafft von da an bis zu seinem Tod im Jahre 1950 über 360 unterschiedlichste Werke. Sein Nachlass mit den Nachweisen zu den Werken wurde von den Erben an das Stadtarchiv München gegeben und scheint derzeit leider noch nicht von einem fleißigen Buchautoren entdeckt worden zu sein, laut Archivangaben lagern Unterlagen mit einem Umfang von 1,70m dort und warten eben noch auf den Waderé- Enthusiasten, der uns dieses Werk komplett näher bringt... Einen kleinen Vorgeschmack erhält man auf dieser englischsprachigen Webseite, die schon sehr viel mehr zu bieten hat als die wenigen deutschen Informationen zu ihm.

 

Interessant ist, das auf oben genannter Webseite ein Ehrenmal zu Thalheim im Erzgebirge erwähnt wird, dessen Entwurf von J. Schurig stammt -zu diesem Herrn verrate ich Ihnen bald mehr- und das genau diese Figur ziert. Da es sich dabei aber nicht um die Erstversion handelt, zählt dieses Monument wohl auch nur zu den vielen Abgüssen des Entwurfs, der einstmals im Jahre 1907 auf der Münchner Jahresausstellung in Bronze auftauchte. 

Heinrich Wadere Signatur Bild: Susann Wuschko

Was hat ein Grab mit der "Lokalbahn-Bau- und Betriebsunternehmung Lechner & Krüzner" zu tun?

Heinrich Waderé Rosenmädchen Bild: Susann Wuschko

Die Figur entstand im Jahre 1907 nicht ohne Grund- es war keine freie Arbeit ohne Auftraggeber, zumindest erscheint es so, wenn man alle winzigen Informationen zusammenträgt. Wahrscheinlich wäre im Nachlass Vieles zu finden, aber es gibt einen Hinweis darauf, das die Figur des "Rosenmädchens" erstmals von Waderé für das Grab der Familie Victor Krüzner (1856-1905) gestaltet wurde. Er war Mitbegründer der oben genannten Lokalbahn- Bau- und Betriebsunternehmung, wird mehrmals als Ingenieur genannt, einmal allerdings auch als "Direktor der Bank" -womit vielleicht auch seine interne Position in der Firma gemeint sein könnte. Im Jahre 1887 wird aus diesem Unternehmen und der Lokomotivfabrik Krauß & Co ein neues Unternehmen gegründet- die Localbahn AG München (kurz LAG). Diese wird weit über Münchner Grenzen hinaus wirksam werden und überall dort Lokalbahnen bauen, wo der Bedarf da ist, sei es im Touristischen Verkehr oder aber im Industriellen Sektor. Für unsere Region Sachsen/Südbrandenburg/Dreiländereck ist dabei vor allem die Lausitzer Eisenbahn-Gesellschaft interessant, die teils im heutigen Polen angelegt war und bis Muskau reichte. Leider ist von der Strecke nichts erhalten, die Reichweite der LAG bis in unsere Region wird damit aber deutlich.

 

Einen Nachweis zum Grab der Familie Krüzner konnte ich bisher nicht finden, möglicherweise ist es auch nicht mehr erhalten. Ob die erste Figur genau die war, die auf der Kunstausstellung gezeigt wurde oder ob es sich bei der Grabfigur um eine Steinerne Version handelte konnte ich bisher nicht ausmachen, es gibt allerdings Hinweise darauf, das die Figur auch in Stein ausgeführt wurde (für andere Gräber?). Die Bronzefigur wurde versteigert, es gibt allerdings auch in der Form mehrere Exemplare. Fakt ist, das sie 1907 erstmals direkt in Zusammenhang mit Waderé auf der Kunstausstellung erscheint und alle Figuren, die ich seitdem fand, auch eindeutig seine Signatur tragen.

 

Die serielle Rosenstreuende- WMF macht´s möglich

Heinrich Waderé Rosenmädchen Friedhofsfigur Bild: Susann Wuschko

 

Wie schon für die Engel erwähnt wird auch bei diesem Entwurf die WMF mit ihrer Produktion im Bereich der Galvanoplastik eine große Rolle zur weiteren Verbreitung, aber auch zum Erhalt des wundervollen Entwurfs spielen. Ein kleiner Hinweis reicht eigentlich, um die weitere Geschichte zu ergänzen- die WMF hat den Entwurf direkt von Waderé gekauft. So, wie es oft passierte und wodurch einstige Exklusiv- Entwürfe zum erschwinglichen Massenprodukt wurden. Welche Artikelnummer die Dame hatte und welcher Preis veranschlagt wurde, ist mir nicht bekannt, es gibt sie allerdings in der Version mit Rosenranke auf dem Kopf und ohne Rosenranke. Dementsprechend weicht auch manchmal der Name etwas ab und wird auch schon einmal zur "Rosa Mystica" stilisiert, die allerdings eine Madonna sein müsste. Nun- in gewisser Weise ist das Rosenmädchen auch das- eine symbolische "Heilige"- eine Figur, die heutzutage noch genauso mystisch verklärt den Tod betrauert, wie sie es einst vor über 100 Jahren tat. Nur leider sind viele Figuren der Zeit und wohl auch Dieben zum Opfer gefallen.

 

Die Schönheit der Details und den Grund, warum sie uns wohl auch heute noch anzieht, möchte ich ganz ohne Worte anhand einiger Bilder zeigen, die allesamt in Sachsen entstanden sind. Die Standorte bleiben geheim, der wirklich Suchende wird sie finden...

Weitere Verbreitung (bisher bekannt):

  • Nordrhein-Westphalen
  • Bremen