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Überraschung: Es ist ein Paul Hempel! Ein völlig unbekanntes Werk des Künstlers hat sich gut versteckt...

Paul Hempel Neuer Johannisfriedhof Meißen Bild: Susann Wuschko

Hartnäckigkeit zahlte sich heute aus- auch wenn ich nicht ahnte, was mich da erwartet...

Die letzten Sonnenstrahlen noch nutzen und schauen, was mir bisher in Meißen entgangen ist- so war der Plan. Ich schaffte es auf 4 Friedhöfe, die hier auch demnächst vorgestellt werden. Der Neue Johannisfriedhof wollte sich gleich gar nicht finden lassen- plötzliche Sackgassen, Baustellen etc.- ich hatte es eigentlich fast aufgegeben. Ein letzter Versuch- na gut, wer weiß ob es überhaupt etwas zu entdecken gibt...

 

Dann wieder den Hang hoch (Meißen ist schon ganz schön "bergig" in seinen Friedhöfen, da wird Friedhofsfotografie zur kleinen Wanderung). Und dann steht da ein riesiges, völlig unerwartetes Relief-Grabmal. 

Da ich an dem Tag schon einige Werke ohne Signatur verkraften musste, rechnete ich auch hier nicht mit der Chance, etwas zu finden- doch plötzlich- da rechts unten an der Kante ein mir sehr bekannter Name...

Paul Hempel Neuer Johannisfriedhof Meißen Bild: Susann Wuschko

 

fec. Paul Hempel Dresden-Tolke.

 

Da ich mich schon näher mit diesem Bildhauer beschäftigt habe (und vor allem bestrebt bin, seine Werke zusammenzubringen) war das wirklich eine Überraschung. 

 

Warum? - Nun- ich kenne die anderen Werke Hempels- er schuf Einzelfiguren oder maximal Duos- ich kannte bisher kein Werk von ihm, welches eine ganze Figurengruppe in diesen Ausmaßen darstellt! Das neu gefundene Grabmal der Familie Köhler ist eine echte Entdeckung für das Hempel- Werk, denn es ist das vielleicht komplexeste Werk aus dieser Werkstatt. 

Vergleicht man dann aber die Figuren etwas eingehender und hat Hempels trauernde Damen im Kopf, dann stimmt das schon. Das griechische Element ist auch hier wieder im Faltenwurf zu finden, jeder Künstler hat eben doch eine gewisse Handschrift. Und die eindeutige Signatur wird wohl kaum jemand so schön gefälscht haben...

 

Paul Hempel Neuer Johannisfriedhof Meißen Bild: Susann Wuschko

Überraschend ist allerdings, das das Grabmal als älteste Bestattung den Gedenkstein an den wohl im 2. WK gefallenen, erst 21jährigen Walther Köhler aufweist. Das Grabmal wird wohl kaum in dieser Zeit (45/46?) entstanden sein- in den Endzügen des Krieges und im Hungerwinter danach wird wohl niemand ein derartiges Grabmonument in Auftrag gegeben haben, auch Meißen litt unter den Auswirkungen und war keine heile Welt, das sieht man diesem Friedhof sehr genau an, denn hier finden sich viele Kriegsgräber aus beiden Weltkriegen. Und ein späteres Entstehen in den 1950ern schließt sich auch aus- Paul Hempel stirbt 1954.

 

Die religiöse Darstellung des Kreuz tragenden Jesus würde in der DDR wohl keinen Anklang gefunden haben, alles spricht eher für eine Errichtung für einen Vorgänger der Familie, der Grabstein, der ja nur locker vor der Grabwand steht, kann einfach ergänzt worden sein, so wie auch die beiden weiteren Grabsteine der späteren Jahrzehnte. Es wird wohl von Anfang an so geplant gewesen sein, das die Namen gesondert auf auswechselbaren Steinen erscheinen, der ursprüngliche Käufer der Grabstelle wird wohl ein Vorfahre dieses Walther Köhler (sein Vater oder Großvater?) gewesen sein. Stilistisch passt es auch eher in die frühen 20er Jahre.

 

So hat sich das "Bergsteigen" doch wieder einmal gelohnt und ein nicht ganz so kleines Puzzlestück für das Werks-Rätsel Hempel ist wieder aufgetan!