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Oskar Paul Hempel -der Begründer einer Steinmetzdynastie


Oskar Paul Hempel wurde 1887 (andere Angabe 1872) geboren. Nach seiner Ausbildung zum Bildhauer schaffte er es in den folgenden Jahren bis zum Obermeister der Steinbildhauer in Dresden. Bekannt ist er vor allem für seine Grabmalplastiken in Marmor, die Ihnen sicherlich schon einmal begegnet sind.

 

Der Werbespruch "Nur eigene Entwürfe" stand für Qualität und wohl auch dafür, das seine Werke vor allem die Dresdner Friedhöfe bereichern, auch wenn sie nicht immer Einzelanfertigungen waren... So manch eine "Trauernde" begegnet einem gleich an mehreren Orten, was allerdings kein Kriterium sein sollte, denn trotz dieser mehrfachen Verwendung der Entwürfe sind die Werke wohl meist an einer Hand abzuzählen und somit weit rarer als die Industrieware der damaligen Zeit.

 

Der Begründer des Familienunternehmens verstarb 1954, doch seine Erben sind bis heute im gleichen Gewerbe tätig.


Die Trauernde mit Urne

Trauernde Johannisfriedhof Hempel Bild: Susann Wuschko

Sie erinnert an die sitzende Trauernde eines Fidel Binz, allerdings zeigt sich recht schnell, das diese Dame hier sehr viel weiblicher und weit weniger verhüllt ist. Auch wirkt sie weniger in sich versunken und scheint trotz Trauer doch eher zu dieser Welt zu gehören.

 

Die Ausführung auf dem Johannisfriedhof zeigt das Porträt des Friedrich Emil Barth und wurde 1919 von der Gemeinde Gelenau zur Ehrung des Wohltäters der Stadt errichtet. Auf anderen Ausführungen findet sich an dieser Stelle die Grabinschrift.

 

 

Weitere Funde:

  • Urnenhain Dresden Tolkewitz Grabstätte Manß 
  • Trinitatisfriedhof Dresden 
  • Neuer Annenfriedhof 

Grabmal Ehlert Johannisfriedhof Bild: Susann Wuschko

Urnenhain Tolkewitz

 

Grabmal Familie Ehlert

 

Relief ohne Signatur, allerdings ist das Motiv identisch mit der Trauernden-bis hin zur Rose in der Hand und der Fußstellung- die Hempel mehrmals schuf.

 

Da der Bildhauer selbst damit warb, nur eigene Entwürfe zu verwenden, liegt wohl nahe, das es sich um ein Werk des Künstlers selbst handelt- eine "unerlaubte" Kopie seines eigenen Entwurfs wäre wohl nicht ohne Probleme so verwendet worden. Qualitativ entspricht das Relief zudem den anderen Arbeiten Hempels.

 

Trauernde Relief Johannisfriedhof Bild: Susann Wuschko

Paul Hempel Dresden Urnenhain Tolkewitz Bild: Susann Wuschko

Urnenhain Tolkewitz

 

Junge Frau vor großem Kreuz

 

Signatur:  Paul Hempel fec. Hier Wehlener Str. 20

 

Leider ist auf dem Grabmal kein Familienname oder ähnliches zu finden und die Figur steht auch etwas versteckt inmitten moderner Grabstellen. 


Trauernde an ein Kreuz gelehnt

Das Motiv der Trauernden, die sich seitlich an ein Kreuz lehnt, erinnert an diverse Modelle, die im späten 19. Jh. Einzug auf die Friedhöfe hielten und vor allem auch in einigen Abwandlungen als Galvanoplastiken der WMF berühmt wurden. 

 

Bekannte Funde in Dresden:

  • Äusserer Plauenscher Friedhof Coschütz
  • Johannisfriedhof Tolkewitz

Trauernde mit Kranz in rechter Hand -als Relief, aber auch frei stehend

Trauernde mit Kranz Paul Hempel Bild: Susann Wuschko

Auch bei dieser Figur ist ein typisches Motiv, welches sich überall wiederfindet, zu erkennen. Das Motiv der Kranzträgerin, in Trauer versunken, findet sich oftmals auch als kleinere Reliefarbeit anderer Künstler wieder, oder aber als freistehende, lebensgroße Figuren. 

 

Bei allen weiblichen Darstellungen Hempels scheint es allerdings eine Konstante zu geben: Die Kleidung ist immer antik, sie wirken wie trauernde Griechinnen oder Römerinnen, meist doch eher mittleren Alters. Es sind Frauen und keine jungen, kokettierenden Mädchen mehr.

Wenn man genau hinschaut könnte man ein und dasselbe Modell dahinter vermuten- es sind die gleichen Schultern und Arme, die Figur an sich ist immer ähnlich. Da die Figuren für eine breite Kundschaft bestimmt waren und nicht etwa Einzelstücke, spiegeln diese Damen wohl das Schönheitsideal der Dresdner Frau um 1900 wieder. 

 

Vielleicht stand aber auch nur die eigene Ehefrau Hempel Modell- Wer weiß...

Bekannte Funde in Dresden

  • Neuer Annenfriedhof Löbtau -als Freifigur
  • Johannisfriedhof Tolkewitz
  • Waldfriedhof Weisser Hirsch
  • Trinitatisfriedhof Johannstadt

"Verrinnende Zeit"- der Engel mit dem Stundenglas

Engel mit Stundenglas Hempel Bild: Susann Wuschko

Dieses wunderschöne Motiv wurde gleich mehrmals erstellt und spiegelt ein typisches Sujet der Zeit wieder. Die Erinnerung an die eigene Vergänglichkeit, doch auf tröstliche und romantisierte Weise. Kein grausiger Tod, der einen einholt, sondern ein lieblicher Engel, der den gereiften Mann nach langem Leben freundlich darauf hinweist, das es nun Zeit ist, zu gehen. Es wirkt fast so, als würde er erst noch darüber nachdenken dürfen und warten, bis das letzte Sandkorn fällt. 

 

Dieses Motiv wird wohl so beliebt gewesen sein, da es sehr gut auf den typischen, erfolgreichen Mann dieser Zeit passte- ein langes Leben geht vorbei und man kann sich darauf vorbereiten. Die Wahl des eigenen Grabmotivs war somit auch wahrscheinlich und der finanzielle Aspekt war planbar. Wo vielleicht eine trauernde Frau nicht mehr passend wäre, da der Verstorbene ein hohes Alter erreicht hatte, passte eventuell ein "Denker" besser, der in seiner Weisheit auch diesen Schritt bewusst wahrnimmt.

 

Bekannte Funde in Dresden:

  • Waldfriedhof Weisser Hirsch
  • Leubener Friedhof (kleinere Version)
  • Johannisfriedhof

Knieender Engel

Paul Hempel Engel Johannisfriedhof Dresden Bild: Susann Wuschko

Johannisfriedhof

 

Grabmal Familie 

 

 


"Dame mit Hund" und Girlande

Dame mit Hund Trinitatisfriedhof Hempel Bild: Susann Wuschko

 

Trinitatisfriedhof

 

Grabmal Familie Helm

 

Leider ist von dieser Figur nichts weiter bekannt als das es das Grab nachweislich im Nachlass der Familie Hempel gibt, dort aber OHNE Hund abgebildet ist. Welche Bedeutung der Kleine Schnauzer hat können wir also nur ahnen- Hunde wurden gern als Symbol für Treue dargestellt, aber da es sich schon fast um ein "Porträt" handelt, könnte es wohl der Hund der Familie sein, der hier zu Füssen der Dame (des Frauchens ?) vom Bildhauer ergänzt wurde und das Grab individualisiert. Meines Wissens ist es die einzige Tierdarstellung von Paul Hempel.

Pilger Hempel Trinitatisfriedhof Bild: Susann Wuschko

Trinitatisfriedhof

 

Grabmal Familie Sitzmann

 

Leider konnte ich bisher nichts zu Martin Sitzmann oder der Familie in Dresden herausfinden. Es scheint auch keine Nachfahren zu geben, da das Grab mit seinem ruhenden Pilger einen neuen Paten sucht.


Trauernde mit Urne- 2. Version

Trauernde mit Urne Johannisfriedhof Bild: Susann Wuschko

Johannisfriedhof

 

Grabmal neu belegt

 

Gern möchte ich Ihnen von dem jetzigen Besitzer des Grabmals etwas berichten, da es sich dabei um einen Menschen handelt, der wohl Vielen als Arzt geholfen hat. Wer das Grab auf dem Johannisfriedhof in Dresden entdeckt wird den Namen lesen. Dazu sei gesagt, das es sich dabei um einen Chirurgen handelt, der sich speziell den Magen-Darm-Krankheiten gewidmet hat und dafür überregional bekannt wurde. Die Dame in Weiss passt also sehr gut und es ist schön, das Grab in so gepflegtem Zustand zu sehen.

 

Zum ehemaligen Begründer des Grabes ist mir derzeit nichts bekannt.


"Engel/Frau mit Palmwedel"

Engel mit Palmzweig Leubener Friedhof Bild: Susann Wuschko

 Leubener Friedhof

 

Familiengrab Weissbach

 

Robert Weissbach war ein offensichtlich erfolgreicher Handelsgärtner in Dresden Laubegast. Das Grundstück der Gärtnerei wurde 1927 neu bebaut und bildet bis heute die Villacher Siedlung. Die ehemalige Villa der Familie (Klagenfurter Str. 60) ist erhalten und steht unter Denkmalschutz.

 

Die Darstellung eines Engels mit Palmwedel in dieser sehr klassischen Form scheint eher ungewöhnlich für Paul Hempel, aber noch ist nicht klar, welche Figuren sich noch finden und vielleicht gibt es dazu auch noch Zwillinge?


Trauernde als Halbrelief

Trauernde Relief Hempel Johannisfriedhof Bild: Susann Wuschko

Johannisfriedhof

 

Grabmal Familie Hahn

 

Georg Hahn war priv. Apotheker und lebte von 1841-1905. Der Zusatz Priv. (privat?) könnte bedeuten, das es sich hierbei um einen Apotheker ohne Konzession handelte, die es wohl sehr oft gab. Eine Konzession brauchte man aber, um eine Apotheke als öffentliches Geschäft, wie wir dies heute kennen, eröffnen zu dürfen. Das war auch abhängig davon, wie viele Apotheken es bereits im Umfeld gab und wie hoch der Bedarf eingeschätzt wurde.

 

In welcher Form diese Apotheker dann tätig waren und wen sie mit Mitteln versorgten bleibt noch zu erforschen.


Trauernde mit Rose

Trauernde St.-Pauli-Friedhof Bild: Susann Wuschko

St.-Pauli-Friedhof

 

Grabmal Senewald 

 

Wer war die Familie Senewald, die hier bestattet ist? Es braucht manchmal ein wenig, aber wenn man den Namen (Moritz) Albert Senewald etwas länger erforscht, stößt man auf ein Lagerhaus an der Elbe, das ehemals ein Teil des Militärlazaretts war  und danach auch einmal den Eschebachwerken gehörte.

 

Es befand sich dort, wo heute in etwa der Parkplatz für die Staatskanzlei auf der Neustädter Seite ist- also direkt an der Elbe zwischen Carola-und Albertbrücke. Es gab sogar eine breite Werbeschrift auf der Steinmauer, die heute als Stützmauer am Elberadweg entlangführt. Seit 1904 bis zum Abriss 1906 wurde das Gebäude als Lagerhaus für die Spedition und Möbeltransport Albert Senewald verwendet. Weitere kleine Hinweise findet man in diversen Akten und Archiven als größtes Lagerhaus der Neustadt oder auch im Briefverkehr mit Kunden.


Engel

Engel St.-Pauli-Friedhof Bild: Susann Wuschko

St.-Pauli-Friedhof

 

Grabmal Familie Rossner

 

Schaut man auf das Grab, dann steht dort auf der linken Seite eine der traurigen Geschichten einer Familie und die Medaillonabbildung mit einem Mädchengesicht macht es noch deutlicher: dieses Grab wurde für die 5 jährige Tochter der Familie errichtet- Erna Rebecca Rossner. Sie starb 1903 und die gesamte Sprache dieses Grabes zeigt den Verlust, den die Eltern fühlten. Inwieweit Paul Hempel den Gesamtentwurf machte (Relief der Tochter, Schrifttafeln?) ist mir nicht bekannt.

 

Max Rossner (gest. 1927) wird auf dem Grabmal als Kapitän a.D. betitelt, und der Fund einer Passagierliste eröffnet eine Familienreise:

 

Am 16.12.1906 starten Max und Rebecca Rossner (er ist 53 und wird als "Privatus" bezeichnet, sie 35) auf dem Dampfschiff "Professor Woehrmann" eine Reise nach Madeira. Und sie sind nicht die einzigen Dresdner auf dem Schiff: Ein sehr bekannter Name taucht dort auf- Molkereibesitzer Paul Pfund (58)-  allein, wie es scheint. Dann haben wir noch eine Witwe und Diakonissin namens Mehnert sowie einen Plantagenarbeiter namens Friedrich Lange (39). Es sind bei 53 Gästen gerade einmal 9 Frauen, davon sogar ein Dienstmädchen und gerade einmal 2 Kinder. Das Schiff ist wohl ein Linien-Passagierschiff zu der Zeit und fährt verschiedene Häfen an, von einer "Kreuzfahrt" im heutigen Sinne kann wohl keine Rede sein. Auch sind die Berufe der Mitreisenden meist so simpel, das es eher wie eine Reise in einen Neuanfang klingt- welcher Bäcker oder Landwirt reist allein nach Madeira zu dieser Zeit, wenn es dafür nicht einen triftigen Grund gibt? 

 

Aber vielleicht verrät ein anderer Herr uns mehr dazu und ich schaffe es irgendwann einmal, dieses Buch in der SLUB auszuleihen (oder Sie tun es und verraten es mir?):

 

Paul Friedrich Pfund

Bei Pfunds war die Milch weißer : Rückblicke und Überliefertes oder was weiß ich noch ...?

 

Laut Inhaltsverzeichnis ist dort auch die Reise des Ahnen nach Madeira erwähnt und wer weiß- vielleicht erfahren wir ja so, auf welchem Schiff unser Kapitän Rossner vorher arbeitete und ob die Herrschaften sich kannten? Und ob das eher eine Forschungsreise im Sinne von exotischer Natur entdecken war oder eine Reise, um den Tod der Tochter zu überwinden? Oder gar der Versuch eines Neuanfangs?

Grabmal Rossner Dresden Bild: Susann Wuschko

Grabensemble Wanderer und Trauernde (Mutter?)

Waldfriedhof Weisser Hirsch

 

Grabmal Müting

Fertigstellung: 1901 (?) /1950 (?) lt. Fotothek SLUB

 

Das Grabmal wirkt ein wenig so, als wären erst nach und nach die Skulpturen ergänzt worden. Der Pilger war wohl die erste Figur, die von der Familie gewählt wurde. Eine weitere Figur dieser Art ist mir noch nicht bekannt, vielleicht ist dies wirklich ein Einzelstück?

 

Bei der Trauernden sieht dies schon anders aus, auch wenn sie mir noch nicht real auf einem Friedhof unterkam (oder doch und ich habe sie übersehen?)- es gibt ein Foto vom Hof der Bildhauerwerkstatt Hempel, auf dem einige Grabmäler klar zu erkennen sind- darunter eben auch eine Trauernde in genau dieser Form des Reliefs mit dem kleinen Jungen im Hintergrund. Man könnte es wirklich für genau dieses Grabmal halten- wäre da nicht der Maßstab, der einfach nicht stimmt! Die Größe dieses Grabmal entspricht in etwa einem größeren Grabstein, während das Grabmal auf dem historischen Bild eher den anderen sitzenden Trauernden, also wohl eher Lebensgröße entspricht. Auch ist sie eindeutig von einem anderen Steinrahmen umgeben, der wohl etwas dekorativer war.

 

Wo sich diese Originalfigur versteckt wäre natürlich interessant, herauszufinden! Natürlich wäre es auch möglich, das es sich dabei um ein Ausstellungsstück handelte, ob der Steinmetz diese Arbeiten irgendwann auch verkaufte, ist mir leider noch nicht bekannt.