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Das sorbische Zampern und der "Deutsche" Krabat- was drei Könige und der heilige Martin in der Schwarzkollmer Dorfkirche uns zu Preußlers Krabat verraten...


20 Jahre tat ich mich mit ihm schwer- und es wird auch dieses Mal so sein, doch nun ahne ich, warum Otfried Preußlers "Krabat" für mich als Sorbin so schwer zu lesen ist...

 

Wie bitte? DER KRABAT? Das ist doch das tolle Kinder-und Jugendbuch, wodurch der Sorbische Zauberlehrling erst berühmt wurde- die sorbischen Namen, die Orte- das ist doch alles eine sorbische Sage, oder? Und dann noch der Film, so schön gruselig und düster, und so magisch- das ist alles so mystisch und fremd- das muss doch sorbisch sein!

 

Kritik am großen Meister?

Bevor das falsch verstanden wird: Preußler hat ein tolles, mystisches Jugendbuch geschrieben. Er war auch mit seinen Erläuterungen dazu absolut ehrlich- seine Äußerungen dazu, wie er zehn Jahre mit dem Werk "kämpfte", welche Inspirationen er sich bei der alten sorbischen Volkssage des Krabat holte, wie stark sein eigener Lebenslauf und sein Schicksal als Kriegsgefangener darauf Einfluss nahm. Er behauptete nie, den sorbischen Krabat neu erfunden zu haben- er hat das getan, was ganz viele Romanschriftsteller tun- er hat eine Art "historischen" Roman geschrieben und sich an bereits Vorhandenem orientiert. Preußler kann man eigentlich nicht für sein Buch kritisieren- und letzten Endes bringt es uns heute in der Lausitz ein gesteigertes Interesse an unserer Geschichte und Tradition der Sorben- weit über Sachsen hinaus. Das verdanken wir dem "westlichen Preußler", der den Krabat seiner Kindheit nie vergaß und daraus seine eigene Geschichte machte.

 

Was ich persönlich allerdings sehe ist ein riesiges Verständnis-Problem, das auf Seiten der deutschen, aber auch sorbischen (!) Leser entsteht. Die Erwähnung, das Krabat Sorbisch ist, bleibt hängen. Sorbisch- was ist das? Etwas Fremdes, etwas irgendwie Mystisches an sich für alle Nicht-Sorben. Informiert man sich im Netz dazu (was wohl die ein oder andere Schulkasse beim Lesen des Krabat im Schulunterricht tut), stößt man schnell auf die vielen Bräuche und Traditionen der Sorben. Aha- also dort wird noch ganz viel mit dem alten sorbischen Brauchtum gelebt! Dort kennt man noch die eigenen Sagen. Das ist toll- vor allem in der heutigen Zeit, wo eine Hinwendung zur Fantasy und Mythologie alter Zeiten bei vielen Jugendlichen zu sehen ist!

 

Computerspiele, in denen man zu Wikingern und alten Griechen reist (und nebenbei die alten Götter und Mythen kennenlernt und eben nicht nur kämpft), Bücher wie Percy Jackson und die Götter des Olymp, Harry Potter als Zauberlehrling par excellence und natürlich all die vielen Filme, die uns Hollywood und Co. liefern- heutzutage haben die 16jährigen mehr Ahnung von den alten Göttern am anderen Ende der Welt als von Maria und Jesus in der Kirche nebenan... geschweige denn von altem "deutschen" Brauchtum und Sagen (ich meine nicht Standardwerke wie Disneys Interpretation von Schneewittchen- würden Sie dieses Märchen psychologisch und anhand seiner Symboliken auswerten wird es so gruselig, das sie es keinem Kind zumuten würden!).

 

Doch genau da liegt das Problem von Otfried Preußlers Werk. Er schrieb es in einer Zeit, in der das Fernsehen noch nicht den Blick auf die Fastnacht vor der eigenen Tür versperrte. In der Ostern und Weihnachten noch in die Kirche gegangen wurde. Und nicht zu vergessen: Otfried Preußler war katholisch! 

 

Schwarzkollm alte Ansichtskarte Bild: Susann Wuschko
Schwarzkollmer Dorfstrasse. Postkarte aus dem Jahr 1966 (?)

Wissen - Verstehen - Glauben

Preußler wusste viel. Er hat in sein Buch sehr vieles einfließen lassen, das vorher erst recherchiert werden musste. Fakten der Geschichte, Teile der sorbischen Sage, seine eigenen Gefühle, die er auch erst in Worte fassen musste und verstehen. Die Intention, was er den Jugendlichen eigentlich vermitteln will auf ihrem schweren Weg der Entscheidungen, welcher Macht man verfällt- das hat er alles verstanden und sehr gut eingesetzt.

 

Preußler hatte auch einen Glauben- an das Gute, an die Rettung der Welt nach einem schrecklichen Krieg. An Gott oder eine höhere Macht- da er katholisch beerdigt wurde, gehe ich davon aus, das er auch in diesem Sinne gläubig war. Zumindest kannte er sein katholisches Umfeld sehr gut, denn er beweist es auf der ersten Seite seines Buches. 

 

Drei Heilige überführen den "Meister"...

Otfried Preußlers Krabat beginnt mit dem Dreikönigsfest. Krabat hat sich mit zwei weiteren Betteljungen zusammen getan und nun ziehen sie von Dorf zu Dorf im Umkreis von Hoyerswerda, obwohl der Kurfürst von Sachsen das Betteln verboten hat. Krabat hat sogar den Bethlehemstern an einen Stecken genagelt. Die Jungen bekommen für ihren Lobgesang "Hosiana Davidssohn" bei den Bauern Wurst, Speck und derlei und es geht ihnen dadurch nicht schlecht. Das ist alles sehr schön geschildert und klingt absolut glaubwürdig- also war das damals bei den Sorben so...

 

Ich verstehe, warum Preußler mit einem Brauch den Auftakt zu seinem Buch macht. Ich verstehe auch die Faszination, die diese Szene der bettelnden Jungen auslöst. Aber ich muss sie enttäuschen: Diese Szene ist so nah an der Wirklichkeit der Sorben wie das Hochgebirge im Krabat-Film von 2008, welches die Lausitz mit der Schwarzen Mühle darstellt. Als sorbische Protestantin mit Studium in sächsischer Landesgeschichte gruselt es mich wenn ich daran denke, dass diese Eröffnungsszene den ahnungslosen deutschen Leser für das gesamte Buch einstimmt! Und ich fürchte, es war dem katholischen Preußler gar nicht klar, wie 40 Jahre später und ohne das Wissen christlicher Bräuche daraus etwas entsteht, gegen das jeder wissende protestantische Sorbe den Kampf gegen Windmühlen führt! Aber warum?

 

Wo fange ich an? Vielleicht bei dem Fakt, das die Gegend, in der Preußler seinen Krabat auftreten lässt, zu der Zeit protestantisch war und der Brauch, den er beschreibt, katholisch ist? Es regiert August der Starke, der 1697 zum Katholizismus wechselt, doch niemals seine Untertanen zum Wechsel zwang. Nun könnte man ja sagen- vielleicht geht es gar nicht um diese Zeit, aber wenn später der Müller mit dem Kurfürsten im Dresdner Schloss über die Schweden spricht und den Krieg gegen sie, wird es klar, das wir hier nicht im tiefsten, katholischen Mittelalter stecken oder vor der Reformation. Preußler leistet sich bei genau dieser Szene den nächsten Schnitzer in sächsischer Geschichte und nennt die Hofkirche (am Schloßplatz), die erst 1754 stand- nun gut, da will ich mal nicht so sein, das ist künstlerische Freiheit.

 

Aber vielleicht zeigt es auch, das man dieses Buch eben nicht zu ernst nehmen darf, was Faktentreue angeht. Wer die Sorben kennen lernen will, sollte dies auf keinen Fall ausschließlich auf der Basis von dieser Version des Krabat tun! Ich fände es nicht so wichtig, dies zu erwähnen, gäbe es nicht sehr viele Untersuchungen zu genau diesem Werk, die dann die sorbische Kultur daraus herleiten und wirklich Preußler-blind alles glauben. Und es sind nicht irgendwelche Journalisten, die sich dazu äußern, sondern es sind Abschlussarbeiten von Studenten oder gestandene Historiker, die ganz schnell in "das muss Sorbisches Brauchtum sein, dann belassen wir das so" verfallen. Es ist keine Kritik am Roman an sich, der Autor kann tun, was er will- doch ob er dem Leser damit einen Gefallen tut, steht auf einem anderen Blatt.

 

Es ist die Kritik an den Deutenden, die auch nach 30 Jahren Wiedervereinigung nicht sehen wollen oder können, das sorbisches Brauchtum auf slawischen Wurzeln wächst. Immer wieder mit dem Argument des "das können wir so nicht weiter deuten, weil zu lang her" zu argumentieren zeigt eher die Ignoranz gegenüber der slawischen Geschichte- denn die Informationen sind da und man findet sie sehr schnell, wenn eben nicht die geistige Abriegelung gen Osten erfolgt. Vor 1989 war diese Abriegelung politisch vorgegeben- heute ist es eine Frage dessen, wieviel man von älteren Werken zum Thema unkritisch übernimmt und blindlings wiederholt.

 

Und so beginnt die Geschichte, die heute landein, landaus in den Schulen gelesen wird, im Kino begeistert und die Kultur einer Minderheit vermitteln soll mit einem katholischen, westlich- deutschen Brauch, den man heutzutage allenfalls in einzelnen Orten der katholischen Oberlausitz als Besonderheit antrifft und der nun wirklich NICHTS mit typisch sorbischen (nicht-christlichen) Traditionen gemein hat. Es gibt diesen Brauch in dem Landstrich, wo Krabat als Müllerbursche spielt, ganz einfach nicht! Und dabei hätten wir so viel Auswahl gehabt...

 

Aber die Sorben sind doch katholisch, oder?

Es scheint so eindeutig zu sein- die Mehrzahl der Sorben ist heute katholisch, das Kerngebiet liegt gefühlt im Bereich Kamenz / Wittichenau / Bautzen. Nur eine Minderheit ist Sorbisch-evangelisch. Wenn Geschichtsschreibung doch so einfach wäre! Noch vor 100 Jahren wäre es anders gewesen. Die Dörfer, in denen Sie heute kaum noch einen sorbisch sprechenden Einwohner antreffen und bei denen manchmal nur noch der Ortsname darauf hinweist, waren oft bis zu 90 Prozent sorbisch bewohnt. Mit allen dazugehörigen Traditionen und Bräuchen und Frauen in Alltagstracht. Und so überzeugt protestantisch, das die Einwohner selbst nicht mehr wissen, warum in ihrer Kirche Heilige auf dem Altar zu finden sind. Wer weiß in meinem Heimatort Schwarzkollm denn noch, warum auf dem Altar in der Kirche die heilige Margarete und der Heilige Martin als Figuren aus dem Jahre 1450 zu finden sind?

 

Würde man jetzt einen historisch versierten Katholiken fragen, bekäme man eventuell die Antwort, wofür diese Heiligen stehen- wer sie zu Lebzeiten waren. Aber welcher Sorbe käme eigentlich auf die Idee, die Figuren der Schwarzkollmer Kirche aus der Zeit vor der Reformation in einen Zusammenhang mit dem sorbischen "Urglauben" und den Bräuchen in dieser Region zu verbinden? Diesen Zusammenhang wird Ihnen wohl kein Preußler-Analytiker der Welt anbieten- und doch liegt genau da- beim heiligen Martin aus dem Jahr 1450 die Lösung für eine wichtige Frage: was hat der Auftritt der Heiligen Drei Könige mit dem sorbischen Zampern zu tun? Und warum hätte Preußler es eigentlich "besser" lösen können, wäre er nicht Katholik gewesen und hätte übersehen, das es die Sorben, über die er schreibt, eben nicht waren.

 

Der heilige Martin zu Schwarzkollm

Der heilige Martin von Schwarzkollm Quelle: Internetseite der Gemeinde Schwarzkollm (Bild verlinkt)
Der heilige Martin von Schwarzkollm Quelle: Internetseite der Gemeinde Schwarzkollm (Bild verlinkt)

Die Schwarzkollmer Kirche kann aufgrund ihrer Grundmauern aus gotischer Zeit sowie erste Erwähnungen bis in das 13. Jh. zurück datiert werden und ist somit, zusammen mit dem Ort, für den sie als Pfarrkirche diente - Colm- eine der ältesten Kirchen der Region. Die Frentzel-Chronik spricht sogar davon, das Colm das älteste Dorf der Region sei. Die Besonderheit liegt im Begriff Pfarrkirche an sich- sie wurde nicht als Filialkirche der Hoyerswerdaer Pfarrkirche angesehen, sondern galt als rechtlich eigenständig und auf Erlaubnis des Kamenzer Bischofs errichtet- Schwarzkollm verfügte über ein eigenes Pfarramt.

 

Die Vermutung liegt nahe, das die Entstehung des deutschen Ortes Hoyerswerda als Wasserburg in der 2. Hälfte des 13. Jh. und dann unter Hoyer von Vredeberg 1272 zur Herrschaft Hoyerswerda parallel oder sogar leicht später zur Entstehung von Colm stattfand. Direkte Nachbarorte von Colm entstehen später- der Ort muss bereits in der frühen Zeit der Ostsiedlung Menschen angezogen haben- warum dies so war wird wohl erst mit der Deutung der 2. historischen Figur der Schwarzkollmer Kirche, der Hl. Margarete, erfolgen.

 

Literatur kann sehr oft umgeschrieben werden- doch originale Figuren ändern nie ihre Aussage und wurden nicht ohne Grund erwählt. Heilige hatten in Zeiten der Christianisierung vor allem eine Funktion: auf leicht verständliche Weise einen bisherigen (Irr-)Glauben aufzunehmen, zu wandeln und auf lange Sicht die Rolle zu übernehmen. Wenn ein heiliger Martin in der Schwarzkollmer Dorfkirche steht, gab es einen Glauben vor Entstehung der Figur, den er kompensieren oder aber auf friedliche Weise "beenden" sollte. Und damit sind wir beim Zampern der Sorben, den Heischegängen und dem anderen wilden Treiben in Form von Umzügen, Verkleidungen und speziellen Symbolfiguren.

 

Martin von Tours gilt als der Heilige der Christianisierung. Zu Lebzeiten im 4. Jh. war er dafür bekannt, dort, wo er heidnische Kultstätten zerstörte (!) christliche Klöster und Kirchen zu errichten. Dafür wurde er aber nicht berühmt, sondern die schönere Geschichte, nämlich das er seinen Mantel zerschnitt, um ihn mit einem frierenden Bettler zu teilen. Ein etwas anderes Wunder, was uns Heutige wohl eher frösteln lässt ist die Geschichte, das er einen Toten wieder zum Leben zurückgebracht hat, indem er sich auf ihn legte und durch Gebete wiederbelebte. Ein Mantel teilender Martin ist eine schöne Geste- doch ging es um 1450 wirklich um diesen Teil des Heiligen, als der neue Altar entstand? Dieser Altar ist nicht mehr erhalten, aber zumindest die Sache mit der Christianisierung macht Sinn, denn wie sonst sollte man den sorbischen Heiden etwas entgegen setzen? Da die Herrschaft Hoyerswerda vor 1448 den Herren von Duba gehörte und dann vom wettinischen Friedrich II. (dem Sanftmütigen) erworben wird, steht ein Verdacht im Raum, für den ich leider noch keinen Beweis finden konnte außer der anderen Heiligenfigur- der heiligen Margarete.

 

Die Ehefrau Friedrichs II. sowie dessen Tochter, die 1444 geboren wurde, hießen beide Margaretha. Es war durchaus üblich, in Kirchen Figuren aufzustellen, die sich auf die aktuelle Herrschaft bezogen, eventuell sogar von diesen gestiftet wurden. In Meißen findet sich ebenso eine Kapelle, dem heiligen Martin geweiht. Das Altarbild dort stammt ehemals aus der Weinböhlaer Kirche und entstand um 1500- und somit zur Zeit des Todes der Tochter Margaretha, die Äbtissin von Seußlitz war. Es gibt also durchaus auch einen historischen Bezug zur Herrschaft der Wettiner zu dieser Zeit- doch ob die Schwarzkollmer Pfarrkirche Zuwendungen der Wettiner bekam oder sich beim neuen Herrscher beliebt machen wollte ist noch nicht erforscht.

 

Umzüge, Heischegänge und dunkle Gestalten in der Winterzeit

Lange bevor Martin als Mantel teilender Heiliger auf meist symbolisch weißem Ross aufkam, zogen bereits Geister-Umzüge, Vermummte Gestalten als nächtliche Lärmumzüge und Heischegänger durch die sorbische Lausitz. Das ging in der heutigen Adventszeit los, den Donnerstag vor Weihnachten zog dann in der Niederlausitz "der Alte" mit seiner "Alten" durchs Dorf, eine Woche nach Weihnachten war es dann das Brautpaar mit Braschka. Sie gingen von Haus zu Haus und bekamen dafür Eier, Wurst, Speck oder Geld. 

 

Heutige Martinsumzüge findet man bei den Katholischen Sorben entweder am traditionellen Datum, dem 11. November, oder aber im Dezember. Am 30. November gab es eine weitere Gestalt in der Niederlausitz, die im Zusammenhang mit dem Zampern eine Bedeutung hat. Knecht Ruprecht wurde hier als ein in einen Pelz gehüllter, mit Stroh eingewickelter Ruprecht mit Glöckchen und Rute dargestellt. 

 

Die Bräuche zielen eher auf den natürlichen Jahreskreislauf der Bauern ab- man verabschiedet das alte Jahr oder treibt es aus und begrüßt das Neue. Und es scheint fast so, als bekämen die Sorben gar nicht genug davon, um die Häuser zu ziehen. Kaum beginnt das Neue Jahr, die Vogelhochzeit der Kinder ist um, da verkleidet sich die Jugend, nicht nur in Schwarzkollm, erneut und zieht mit eigenen "Nummern" wie Karaoke oder Zahnarzt- Darstellung und reichlich Alkoholkonsum durch den Ort- und wieder wird erheischt und gesammelt. Die Kindergartenkinder haben ihren eigenen Tag dafür. Sieht man sich dieses Spektakel einmal aus sicherer Entfernung an, würde keiner auf die Idee kommen, das hier ein heiliger Martin beteiligt wäre. Und erst recht keine 3 heiligen Könige mit Bethlehemstern, wie bei Preußler. Nein- hier geht es ganz "unheilig" zu, so wie beim Hexenbrennen scheint es, das es ganz gut ist, das der heilige Martin in gut verschlossener Kirche weilt. Was er wohl dazu sagen würde?

 

Eine Besonderheit, die wir als Kinder fürchteten, ist wohl jüngeren Datums: Schornsteinfeger und Clown, die die Kinder und vor allem die Damen gern schwarz schmieren. Sucht man diesen Brauch bei den alten Traditionen stößt man auf einen anderen Ursprung- den Rußigen Freitag im Schwäbisch-alemannischen Brauchtum sowie in Baden-Württemberg, Vorarlberg und der Schweiz. Da dort auch so einige wilde Gestalten unterwegs sind, muss man den Ursprung der ganzen Umzüge an sich wohl in sehr früher, vorchristlicher Gesellschaft suchen. Dort wie auch bei uns blieben Bräuche erhalten, die nie überformt und gezähmt wurden. Sieht man sich zum Vergleich einmal einen Martins-Umzug an versteht man, warum das Zampern eben nicht eine "Art von..." ist. Oder gibt es etwa doch einen Martinsbezug, von dem selbst die Sorben nichts mehr wissen?

 

Schwarzkollm alte Ansichtskarte Bild: Susann Wuschko
Schwarzkollmer Dorfstrasse. Postkarte aus dem Jahre 1966 (?)

Erbsbär und Schimmelreiter- historische Gestalten im Zampern

Vor 2 Jahren war ich bei den Krabatfestspielen und wunderte mich über eine Darstellung. Es ging um das Zampern- und dort wurden ein Schimmelreiter, ein Erbsbär, ein Storch und ein Toter, der den Lebenden trägt, vorgestellt. Sie sind traditionelle Figuren des sorbischen Zamperns- nur kannte ich sie aus meiner Kindheit nicht. Wenn Sie alles genau gelesen haben, sollten sie zumindest 3 der 4 Figuren erkennen.

 

Der Schimmelreiter: Der heilige Martin wird oftmals auf einem weißen Ross dargestellt.

Der Erbsbär: Knecht Ruprecht dargestellt in einen Pelzmantel, mit Stroh umwickelt. Als Winter-Bär wird er symbolisch ausgetrieben.

Der Tote, der den Lebenden trägt: Der Heilige Martin legt sich auf den Toten und belebt ihn wieder- Tot und Leben vereint und der Tote trägt den Lebenden. Die allgemeine Deutung sagt, das Tot und Leben eng verbunden sind.

 

Der Storch: nunja, es gab einst viele Störche, wo es viele Sümpfe und Felder gab und so wurde der Storch zum Wappentier der Lausitz. Nun sind es nur noch ca. 10 Storchenpaare in der Region- und Schwarzkollm zählt zu den Storchendörfern. Einst lebten Sie dort, wo heute ein Penny-Supermarkt und einige Einkaufsgelegenheiten "Am Storchennest" stehen. Im Ortszentrum bei der Bushaltestelle gibt es seit Jahren das Storchennest. Es musste 2016 sogar umziehen- auf einen ehemaligen Strommasten, da die Störche mit ihren Ausscheidungen das Trafohäuschen darunter so in Mitleidenschaft zogen, das es einfach nicht mehr ging. Sie haben mitgespielt und erfreuen jedes Jahr nicht nur die Schwarzkollmer.

 

Sie sehen: es gibt noch ganz viel zu entdecken. Historische Heiligenfiguren, Storchennester, sorbische Bräuche ganz ohne Heilige (...?). Nur eben keine drei heiligen Könige, tut mir leid, da müssen sie in deutschen Gegenden oder bei unseren Nachbarn in den katholischen Orten suchen. Ich hoffe, ich konnte Ihnen heute wieder einen kleinen Einblick in die eigentliche Welt der sorbischen Sagen und Bräuche bieten- so historisch korrekt wie irgend möglich, aber auch so sagenumwoben wie man es von Krabat erwartet.